Millionen Menschen denken zurzeit an Urlaub. Da ist die Freude groß, wenn plötzlich ein Schreiben im Briefkasten liegt, in dem es heißt: Sie haben eine Reise gewonnen! Dass das nur ein Trick ist und der Gewinn am Ende sehr viel Geld kostet, das merken die meisten Opfer viel zu spät. Mister X deckt auf: der Saxxair-Skandal!
Opfer Nummer eins: Berthold (81) und Renate Federwisch (78). Der Ehemann erzählt: "Da hat einer angerufen und gesagt, wir hätten im Kreuzworträtsel gewonnen. Ich fragte: ,Das Rätsel in der MOPO oder wo?` Der Anrufer, der sich als Mitarbeiter einer Firma namens "Saxxair" ausgab, bestätigte: ,Ja, in der MOPO!`" Eine faustdicke Lüge.
Um sich den Gewinn abzuholen, fanden sich die Eheleute Federwisch wenig später in einem Restaurant in Farmsen ein - so wie 20, 25 andere "Gewinner" auch. "Wir durften uns entscheiden", erzählt Berthold Federwisch. "Entweder drei Tage Berlin oder sechs Tage Südtirol. Wir haben Berlin genommen."
Dass sein "Gewinn" Geld kostete, machte Berthold Federwisch zwar misstrauisch, aber er zahlte die sogenannte "Bearbeitungsgebühr" schließlich doch: immerhin 70 Euro. Als aber das Renterehepaar später schriftlich aufgefordert wird, weitere 160 Euro "Kaution" zu zahlen, platzt Berthold Federwisch der Kragen. Er will alles stornieren und seine Bearbeitungsgebühr zurückhaben. Doch seine Versuche, "Saxxair" anzurufen, scheitern: Mal ist die Leitung besetzt, mal hebt niemand ab.
Eine ganz ähnliche Erfahrung hat auch die Hamburgerin Monika Eickenberg (61) gemacht. Ihr wurde der "Reisegewinn" zu Hause im Wohnzimmer übergeben. 7 Tage Irland. Für sie selbst sollte es gratis sein, ihr mitreisender Mann aber musste zahlen: 599 Euro. "Ich dachte, das wäre ein Schnäppchen", sagt sie. Zu spät kamen ihr Zweifel. 120 Euro Anzahlung leistete sie - für eine Reise, zu der es nie kommen wird.
Gemeinsam mit Mister X geht Monika Eickenberg zur Polizei, erstattet Anzeige. Die Mühe, den Tathergang zu schildern, muss sie sich nicht machen. Denn den Gesetzeshütern bundesweit ist "Saxxair" längst ein Begriff. Jörn Hauschild, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bremen, sagt: "Wir ermitteln gegen die Firma wegen gewerbsmäßigen Betrugs." 60000 Euro Schaden sei entstanden - vermutlich aber noch viel mehr, denn die meisten Opfer haben wahrscheinlich bis heute keine Anzeige erstattet.
Hinter der Firma "Saxxair" steckt ein Mann, der schon mehrfach für Schlagzeilen gesorgt hat: Peter S. (53) gründete in den 90er Jahren den Stromkonzern "Vossnet". Der lockte mit Billigstrom: Von rund 30000 Kunden zog Vossnet jeweils 30 Euro Anmeldegebühr ein - Strom lieferte er aber nie.
Für den "Vossnet"-Skandal wurde S. zu vier Jahren Haft verurteilt. Derzeit sitzt er in Sachen "Saxxair" wieder hinter Gittern: Im März wurde er festgenommen und wartet in der U-Haft auf seinen Prozess. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob er aus dem Gefängnis heraus seine Geschäfte weiter betreibt.
Mister X will sich davon selbst überzeugen. Ortstermin: die ehemalige Geschäftsadresse in Bremen: Die "Saxxair"-Schilder sind abgeschraubt. Eine Firma namens "1a Touristik" residiert dort jetzt. Burkhard G., der Geschäftsführer, will nichts mit "Saxxair" zu tun haben.
Merkwürdig nur: Auch diese Firma "verschenkt" Reisen, verwendet sogar dieselbe Bankverbindung wie Saxxair. Und noch etwas ist auffällig: Die Reise-Prospekte sind mit denen von "Saxxair" identisch. Sogar derselbe Werbeslogan wird verwendet: "Urlaub, wie ich ihn mag."
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