Es gibt zwei Arten von Kapellen. Die einen sind Orte der Ruhe und Besinnlichkeit, die anderen machen Lärm. Der neuen St. Pauli-Kapelle im Millerntor-Stadion (MOPO berichtete exklusiv) gelingt beides. Die Nachricht von der Einrichtung der "heiligen" Kultstätte, in der auch Hochzeiten geplant sind, sorgt für mächtig Getöse. Viel Beifall, aber auch Kritik.
Die Telefone bei der Werbeagentur "Jung von Matt", die die Kapelle in ihrer Loge in der Südtribüne gestalten ließ, und beim FC St. Pauli liefen heiß. Mehrere TV-Teams fragten wegen Drehgenehmigungen an. In welcher Form die Kapelle öffentlich genutzt werden kann, wird derzeit noch geklärt.
St. Pauli-Ikone Holger Stanislawski, der in der Kapelle mit einem großen Heiligenbild gewürdigt wird, ist begeistert: "Dieser Einfallsreichtum passt zu St. Pauli", schwärmt der Trainer über die aufwendige Detailarbeit des Hamburger Künstlers Ole Grönwoldt. "Außergewöhnlich", findet Carsten Rothenbach die Kapelle. Heiraten würde er dort aber nicht. "Da bevorzuge ich eher den klassischen Rahmen. Aber für Fans ist es natürlich super."
Überrascht von der Entwicklung ist der Pastor von St. Pauli, Martin Paulekun. "Es gibt schon lange die Idee, eine Kapelle im Zuge des Stadionneubaus einzurichten. Es hat diesbezüglich auch schon Gespräche von unserer Seite mit dem Verein gegeben." Paulekun, ein eingefleischter St. Pauli-Fan, bezeichnet eine Stadion-Kapelle als "grundsätzlich wunderbare Idee", würde sich aber gerne selbst ein Bild von der Kultstätte am Millerntor machen. Kirchliche Trauungen seien dort möglich, wenn der Rahmen stimme.
Nach Meinung von Pröpstin Ulrike Murmann ist genau das nicht der Fall. Die St.Pauli-Kapelle "ist keine würdevolle Kapelle, sondern nur eine lächerliche Kopie", kritisiert die Hauptpastorin von St. Katharinen gegenüber der MOPO. "Bedenklich finde ich die Art wie hier die christlichen Symbole zitiert werden: Spielerporträts als Ikonen, und auf der Altardecke der Spruch: "St. Pauli ist das Brot des Lebens" - das geht zu weit."
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?