Viele verspotten es daher als „Michael-Freytag-Gedächtnis-Terminal“. Denn am Hafen begräbt Freytag auch seine steile Karriere: Es ist sein letzter Auftritt in Hamburg.
28 Jahre lang hat der Wandsbeker Gymnasiast die Hamburger Politik mitbestimmt. Vom Bezirksabgeordneten brachte es der Jurist bis zum zweitmächtigsten Mann im Stadtstaat.
In der chaotischen CDU-Schill-FDP-Koalition hielt er Ole von Beust den Rücken frei. Die politische Freundschaft der beiden begann Jahrzehnte vorher mit einer Käferfahrt von Wandsbek nach Winterhude. Jetzt zahlte sie sich aus. Schnell wurde Freytag Supersenator für Bau und Umwelt. Er avancierte zum Feind der Ökos und Liebling der Investoren, die Stadt erlebte einen Bauboom – von Büros und Luxuswohnungen.
Freytag wurde Finanzsenator und CDU-Chef. Immer heller leuchtete sein Stern: Er schmiedete die erste schwarz-grüne Koalition. Kurz zuvor hatte er den ersten ausgeglichenen Haushalt präsentiert. Freytag konnte vor Kraft kaum laufen. Es war ausgemacht, dass er von Beust nachfolgen wird.
Doch dann kam die Finanzkrise: „Die Bank ist im Kern gesund“, sagte der gelernte Bankkaufmann über die HSH-Nordbank, kurz bevor er Milliarden für das Institut lockermachen musste. „Es macht keinen Sinn, den Feuerwehrmann beim Löschen zu erschießen“, konterte er Kritik. Hamburg werde ohne neue Schulden auskommen, sagte er auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Ein Jahr später war der Kronprinz zum Schuldenkönig und Buhmann mutiert.
Es begann „die schwerste Zeit meines Lebens“, so Freytag. Seine drei Kinder litten unter Spott und Häme, die über ihrem Vater ausgeschüttet wurde. Doch der steile Absturz sorgte bei vielen in der Partei für Hochstimmung. Denn Freytag hatte die CDU auf einen Modernisierungskurs getrieben – und sich dann nicht mehr gekümmert. Vielen galt er als abgehoben. Freytag trat zurück.
Symptomatisch die Abschiedsworte, die sein Nachfolger Frank Schira fand: Die Krise „hat dich demütiger gemacht. Das hast du in letzter Zeit ausgestrahlt, zur Freude der Fraktion und der Partei.“ Ein bisschen mehr Lob hätte er verdient. Am Mittwoch übergibt Freytag seinen Senatsposten an Carsten Frigge. „Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt“ – so beschrieb Freytag selbst seine Regierungsjahre.