MESSERSTECHER ELIAS
Keine Mord-Anklage!
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Wann landet er vor Gericht? Und wo ist die Tatwaffe? Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen.
- Warum wird Elias A. wegen Totschlags und nicht wegen Mordes angeklagt?
Eine vorsätzliche Tötung ist nicht automatisch Mord. Laut Strafgesetzbuch muss für einen Mord mindestens ein Mordmerkmal erfüllt sein. Dazu zählen: niedere Beweggründe (Mordlust, sexuelle Motive, Habgier), Heimtücke (Tötung eines arglosen Opfers), Grausamkeit, gemeingefährliche Mittel (etwa Sprengstoff) und die Ermöglichung oder Verdeckung einer anderen Straftat. Laut Staatsanwaltschaft wird im Fall Elias aber keines dieser Kriterien erfüllt, auch nicht das der Heimtücke: "Weil es vor der Tat offenbar Streit zwischen Tatverdächtigem und Opfer gegeben hat, kann von einer Arg- oder Wehrlosigkeit des Opfers nicht ausgegangen werden", sagt Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers.
- Wo befindet sich Elias A. im Moment?
Der 16-Jährige sitzt wegen "des Verdachts des Totschlags" in der Jugendhaftanstalt Hahnöfersand in U-Haft. Anklage gegen ihn soll in etwa sechs Wochen erhoben werden.
- Was sagt er zu der Tat?
Wenig. In seiner Vernehmung bei der Polizei legte er zwar ein Geständnis ab. Vor dem Haftrichter schwieg er jedoch.
- Was passiert mit den anderen vier jungen Männern, die Elias am Tatabend begleitet haben?
Sie werden in diesem Fall nicht angeklagt. Ihnen droht allerdings ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung: Die Clique hatte vor der tödlichen Messerattacke auf Mel D. einen Mann im Bahnhof verprügelt.
- Wo ist die Tatwaffe?
Das Messer ist verschwunden. Die Ermittler glauben, dass es sich um ein Klappmesser mit einer etwa sechs Zentimeter langen Klinge handelt.
- Kann Elias bald wieder aus der U-Haft entlassen werden?
Vielleicht. Sein Verteidiger Uwe Maeffert hat bereits angekündigt, dass er Beschwerde einlegen will. Grund: "Der Haftgrund der Fluchtgefahr ist bei einem 16-Jährigen nicht gegeben." Ob der Haftrichter das auch so sieht, ist aber fraglich.
- Wie lange dauert die U-Haft maximal?
Sechs Monate. Wenn der Prozess bis dahin nicht begonnen hat, muss er entlassen werden. Das ist gerade bei den "20 Cent Killern" passiert (siehe auch Seite 11).
- Wie sieht der Alltag für Jugendliche in U-Haft aus?
6.30 Uhr Wecken, Duschen, Haftraum-Reinigung, Sport (bis zu zwei Stunden wöchentlich). 11.30 Uhr Mittagessen im Haftraum. 14 Uhr: ein bis zwei Stunden "angeleitete Freizeit" (Tischtennis, Kicker, Gemeinschafts-TV im Gruppenraum). Ab 16 Uhr Freizeit für nicht-beschäftigte Gefangene. Abendessen im Haftraum, 19 Nachteinschluss.
- Darf Elias Besuch von seiner Familie bekommen?
Ja, vier Stunden im Monat. Telefonieren ist mit einer besonderen Telefonkarte eingeschränkt erlaubt.
- Hat er einen Fernseher in der Zelle?
Nein, erst nach vier Wochen Haft ist ein TV-Gerät erlaubt.
- Gibt es Ausbildungsmöglichkeiten?
Grundsätzlich werden in der U-Haft Ausbildungsmöglichkeiten (handwerkliche Berufe) und schulische Maßnahmen angeboten.
Die bisherigen Straftaten von Elias A.
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Die bisherigen Straftaten von Elias A.
Mai 2008: Körperverletzung vor dem Haus der Jugend "Stintfang" (Neustadt).
März 2009: Elias verprügelt einen Lehrer. Fünf Monate später wird er zu fünf Tagen "Arbeitsleistung" verurteilt.
Juni 2009: Gefährliche Körperverletzung vor einem Eiscafé (Neustadt).
August 2009: Versuchte gefährliche Körperverletzung und versuchte räuberische Erpressung.
August 2009: Schwerer Diebstahl.
Oktober 2009: Er soll den Mitarbeiter eines Penny-Marktes, der ihn zurechtgewiesen hatte, verprügelt haben.
November 2009: Hausfriedensbruch.
Mai 2004: Elias (damals zehn) soll in der Nähe seines Wohnorts seine erste Körperverletzung begangen haben.
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Hier nehmen sie die Verdächtigen fest
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Hier nehmen sie die Verdächtigen fest
Der Intensivtäter Elias A. (16) wird in einem VW Passat ins Polizeipräsidium gefahren. Er soll Mel D. (19) im Bahnhof Jungfernstieg mit einem Messer getötet haben.
Foto: dpa
Der Intensivtäter Elias A. (16) wird in einem VW Passat ins Polizeipräsidium gefahren. Er soll Mel D. (19) im Bahnhof Jungfernstieg mit einem Messer getötet haben.
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Auch Sebastian S. (17) soll an der Tat beteiligt gewesen sein. Ein Beamter bringt ihn zur Vernehmung.
Foto: Marius Röer
Auch Sebastian S. (17) soll an der Tat beteiligt gewesen sein. Ein Beamter bringt ihn zur Vernehmung.
Foto: Marius Röer
Auch Sebastian S. (17) soll an der Tat beteiligt gewesen sein. Ein Beamter bringt ihn zur Vernehmung.
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Der Intensivtäter Elias A. (16) wird in einem VW Passat ins Polizeipräsidium gefahren. Er soll Mel D. (19) im Bahnhof Jungfernstieg mit einem Messer getötet haben.
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Diese Opfer klagen an
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Erwürgt: Im Volksdorfer Wald wird der Gymnasiast Anton C. (19) im August 2009 von Anton W. (20) erwürgt. Der psychisch kranke Täter gesteht das Verbrechen. Das Urteil steht noch aus.
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Niedergestochen: Im Januar 2009 wird der Kiosk-Verkäufer Fulvio V. (21) am Berliner Tor überfallen. Die vier Täter (21 bis 42) hacken mit Äxten auf ihn ein. Sie werden später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
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Zu Tode gequält: Der Schüler Kirk M. (17) stirbt im April 2008 in Billstedt. Wegen ein paar Euro Drogen-Schulden würgen ihn drei Bekannte, pressen ihm eine Zwiebel in den Hals. Er erstickt. Die Leiche zünden die Täter auf einer Müllhalde in Billwerder an.
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Verprügelt: Vier Halbstarke schlagen im September 2009 am Hansaplatz (St. Georg) den amerikanischen Studenten Joshua S. (27) zusammen, weil sie ihn für schwul halten. Die Polizei startet eine Öffentlichkeitsfahndung, bislang wurde erst ein Täter (19) gefasst.
Foto: hfr
Verprügelt: Weil er zwei Halbstarke im HVV-Bus bittet, die Musik ihrer Handys leiser zu stellen, wird Marcel F. (19) Mitte Februar von den beiden 20-Jährigen brutal verprügelt. Sie springen ihm sogar auf dem Kopf herum. Salim el G. und Philipp R. sitzen derzeit in U-Haft.
Foto: Röer
Verprügelt: Auf einem Spielplatz in Neugraben schlagen mehrere junge Männer im Mai 2009 grundlos auf Marius M. (19) ein. Minutenlang treten die Unbekannten auf seinen Kopf ein. Jochbein gebrochen, Nasenbein zertrümmert, Schneidezähne abgebrochen.
Foto: Rüga
Niedergestochen: Ende Oktober 2009 kommt es am Bahnhof Sternschanze zu einer Messerstecherei zwischen jungen Männern. Willy G. (20) wird dabei schwer verletzt. Später werden Lesa L. (20) und Michael K. (19) verhaftet. Der Prozess gegen sie läuft.
Foto: Rüga
Erstochen: Mel D. (19) wird am vergangenen Freitag im Bahnhof Jungfernstieg durch einen Messerstich tödlich verletzt. Drei Tage später fasst die Polizei den Tatverdächtigen Elias A. (16) und seine Begleiter (17 bis 18). A. gesteht, den 19-Jährigen erstochen zu haben.
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Niedergestochen: Kundenbetreuer Roman R. (27) ist im Mai 2009 auf der Reeperbahn unterwegs. Vor dem Travestie-Club "Pulverfass" kommt es zum Streit mit einer Gruppe von vier Männern. Einer sticht dem Opfer mit einem Messer ins Herz. Lebensgefahr!
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Totgetreten: Wegen läppischer 20 Cent muss Thomas M. (44) sterben. In einer Fußgängerunterführung nahe des Bahnhofs Harburg treten zwei Jugendliche den Dachdecker aus Winsen im Juni 2009 zu Tode. Der Prozess gegen Onur K. (17) und Berhan I. (17) wird kommende Woche neu aufgerollt.
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Trauer um 19-Jährigen
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Auch die Pressemitteilung der Polizei wurde aufgehängt. Sie enthält eine grobe Beschreibung der Täter.
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Mel D. wurde im Bahnhof Jungfernstieg erstochen.
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Mandy H., eine Freundin und Nachbarin von Mel D. (o.), schrieb diesen Brief und hängte ihn im Bahnhof Jungfernstieg auf.
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Freunde und Bekannte legten Blumen und Kränze am Tatort nieder.
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19-Jähriger am Jungfernstieg tödlich verletzt
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19-Jähriger am Jungfernstieg tödlich verletzt
Notärzte kämpfen um das Leben des jungen Mannes.
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Notärzte kämpfen um das Leben des jungen Mannes.
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Die Polizei sichert den Tatort ab.
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Notärzte kämpfen um das Leben des jungen Mannes.
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Das Opfer liegt auf der Bahre.
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Der junge Mann wird über die Rolltreppe nach oben transportiert.
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Der junge Mann wird über die Rolltreppe nach oben transportiert.
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Der junge Mann wird über die Rolltreppe nach oben transportiert.
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Die Notärzte und Sanitäter bringen ihn in den Rettungswagen.
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Mehrere Notartzwagen stehen an der S-Bahn-Haltestelle Jungfernstieg.
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Mehrere Notartzwagen stehen an der S-Bahn-Haltestelle Jungfernstieg.
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Der Tatort ist weiträumig abgesperrt.
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Die Ermittler machen sich an die Arbeit, sichern Spuren, die die Täter hinterlassen haben.
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Die Spurensicherung prüft jeden Winkel genau.
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Notärzte kämpfen um das Leben des jungen Mannes.
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