Der klassische Fremdenführer ist entweder Pensionär oder Hausfrau bzw. -mann und verdient sich so etwas hinzu. Leute, die diese Tätigkeit hauptberuflich ausüben, sind eher die Ausnahme. Und zu denen gehöre ich. Als gebürtiger Hamburger habe ich mich schon immer für die Geschichte der Stadt interessiert und bringe die nötige Portion Lokalpatriotismus mit. Neben dem Soziologie-Studium verdiente ich mir seinerzeit als Stadtführer ein Zubrot und machte, da die Nachfrage groß war, alsbald mein Hobby zum Beruf.
Mein Hamburg ist durch mein berufliches Interesse geprägt. Selbst in meiner Freizeit suche ich gern Plätze auf, die von touristischem Wert sind. An verregneten Herbsttagen, die sich für einen Museumsbummel anbieten, lohnt sich zum Beispiel der Weg in die Elbchaussee: Dort gibt es zum einen das marinehistorische Institut von Peter Tamm mit einer beeindruckenden Sammlung an Schiffsmodellen und zum anderen das Elbschlösschen (in beiden Fällen Anmeldung erforderlich). Sehenswert an dem denkmalgeschützten Bauwerk auf dem Areal der ehemaligen Elbschloss-Brauerei ist nicht nur die klassizistische Fassade, sondern auch die Inneneinrichtung im Stil großbürgerlicher Wohnkultur.
Bei gutem Wetter mache ich gern einen Fahrradausflug in die Vier- und Marschlande. Ein Geheimtipp ist die wunderschöne Altengammer Kirche St. Nicolai, die die Glocke des alten Hamburger Doms, der 1806 abgerissen wurde, beherbergt. Im Nachbardorf Curslack befindet sich mit dem "Rieckhus" eine weitere Sehenswürdigkeit: ein Bauernhaus, das als Außenstelle des Altonaer Museums besichtigt werden kann.
Was das Nachtleben betrifft, so sind die Zeiten der allabendlichen Runden auf der Reeperbahn für mich als Familienvater vorbei. Immerhin habe ich zehn Jahre lang auf St. Pauli gewohnt und einige Kiez-Originale kennen gelernt, was sich heute für mich beruflich auszahlt. Denn wenn man sich dort nicht selbstbewusst mit zehn bis 15 Gästen bewegt, kann man sich durch Querkommentare von Türstehern und Koberern leicht durcheinander bringen lassen.
Wenn ich privat ausgehe, besuche ich am liebsten traditionelle Adressen. Deshalb lande ich immer in "Holzkneipen", wie ich sie nenne. Bei "Gretel und Alfons" auf der Großen Freiheit beispielsweise kann man ein gepflegtes Bierchen trinken. Ebenso wie im "Silbersack", wenn er nicht allzu voll ist. Wenn man den stetigen Wandel auf der Reeperbahn und in der Schanze miterlebt hat, bevorzugt man eben Sachen, die bleiben.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?