Auf Zigaretten konnte Helmut Schmidt natürlich nicht verzichten: Bei der Präsentation des Buches "Unser Jahrhundert", das Gespräche zwischen dem Altkanzler (91) und dem Historiker Fritz Stern (84) dokumentiert, hüllte er die Bühne des Thalia-Theaters in Tabakrauch. Anderthalb Stunden lang antworteten die beiden auf Fragen von "Zeit"-Redakteur Matthias Naß.
In ihrem Buch reden sie über Schrecken und Lehren des 20. Jahrhunderts. Die waren auch im Thalia Thema: Hätte die Nazi-Diktatur verhindert werden können? Ja, glaubt der jüdischstämmige Stern, aber die deutsche Demokratie wäre nicht zu retten gewesen. War Hitler die zentrale Figur der Epoche? Nein, so Schmidt und Stern. Den Titel wollen sie anderen verleihen - etwa dem Ökonomen John Maynard Keynes oder Einstein. Auch zur Diskussion um Hartz IV äußert sich Schmidt: "Oberflächlich", findet er die und wünscht sich eine schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre.
Die "Überalterung" sei eine der wichtigsten Herausforderungen der aktuellen Politik. "Ich selbst stehe im 92. Lebensjahr. Übrigens ist es kein Vergnügen, so alt zu werden!", knurrte er. "Für uns schon!", konterte Moderator Naß. Und sprach damit dem Publikum aus der Seele, das sich beim herzlichen Schlussapplaus für die alten Herren respektvoll von den Sitzen erhob. (rön)