Im Mai war der Altonaer Arzt Mathias Petersen noch mit 88 Prozent der Stimmen als SPD-Chef bestätigt worden. Dann aber begann Petersen, Fehler zu machen. Im Sommer feuerte er zur allgemeinen Überraschung den langjährigen SPD-Landesgeschäftsführer Ties Rabe - ohne für die Partei nachvollziehbare Begründung und ohne einen Nachfolger präsentieren zu können.
Doch seine Kritiker ärgern sich insbesondere darüber, dass sich Mathias Petersen über parteiinterne Machtinteressen hinwegsetzt. Petersen machte Ex-Senator Eugen Wagner, Hochbahnchef Günter Elste, Ex-Staatsrat Hinnerk Behlmer und das Bürgerschaftsurgestein und Chef-Zwischenrufer Werner Dobritz zu seinen Beratern. Den 2004 gestürzten Ex-Fraktionschef Walter Zuckerer machte er zum Landesgeschäftsführer.
Gerade die Jüngeren gehören zu seinen Gegnern. sie scharen sich um den 36-jährigen Fraktionschef Michael Neumann. Viele fürchten, Petersen könne den 2001 in der Partei eingeleiteten Generationswechsel rückgängig machen. Inzwischen gibt es massive Kritik von fünf Kreisverbänden an Petersen. Darunter auch der einflussreiche Bezirksfürst Johannes Kahrs aus Mitte und Petersens eigener Kreisverband Altona. Nur noch Harburg und Wandsbek halten zu ihm. "Ich bin fest davon überzeugt, dass Mathias Petersen der richtige Kandidat ist. Er ist kein Parteifunktionär, sondern jemand, der auf die Leute zugeht", sagt Karl Schwinke, der Kreisvorsitzende in Wandsbek und stellvertretender Landesvorsitzende. "Diese menschliche Variante ist eine große Stärke. Innerhalb der Parteistruktur aber auch eine Schwäche, weil die Funktionäre es ausnutzen." Auch Werner Dobritz wirft sich trotz massivem Gegenwind für Petersen in die Bresche. "In Hamburg haben wir bei Umfragen fast zehn Prozent mehr Stimmen als im Bund. Mit Petersen gibt es eine reelle Regierungsperspektive."