Der Empfang war freundlich. Etwa 100 belgische Fans ließen sich mit den HSV-Stars fotografieren, holten sich Autogramme. Angenehme Atmosphäre am beschaulichen Flughafen Lüttich. Das war gestern! Am Donnerstag (21.05 Uhr, LIVE-TICKER AUF MOPO.DE) wird die Sache ein wenig anders aussehen.
Ob man denn wisse, was im Stadion "Maurice-Defrasne" so abgeht, will der Taxifahrer wissen. Ja, ja – die Hölle, schon klar. "Non, non, Monsieur. It’s more than hell." Mehr als die Hölle - der HSV will sie gefrieren lassen. Er muss sie gefrieren lassen. Vor allem für Bruno Labbadia ist es ein Euro-Trip ins Ungewisse. Geht im Viertelfinal-Rückspiel bei Standard etwas schief, wird es für den Trainer ganz eng.
Labbadia lässt sich trotz der extrem angespannten Lage nichts anmerken.
"Wir lassen uns durch den externen Druck nicht von unserem Weg abbringen", stellt der 44-Jährige klar. Der Coach wirkt konzentriert, aber aufgeräumt, gibt Interviews – auch wenn’s schwerfällt. "Wir müssen zusehen, dass wir uns nicht die Freude nehmen lassen", sagt Labbadia und versucht positive Dinge in den Fokus zu rücken, sagt: "Alles ist schon ein bisschen eigenartig, wenn man bedenkt, dass wir im Viertelfinale der Europa League stehen und uns auch in der Bundesliga noch für die internationalen Plätze qualifizieren können." Faktisch völlig richtig – aber die Ziele der Hamburger waren andere.
Nach dem Raketenstart (zehn Spiele ohne Niederlage) war der Titel in Sicht, zumindest die Qualifikation für die Champions League war lange Zeit in Reichweite. Doch nach nur vier Siegen in den vergangenen 17 Bundesligaspielen ist den Spielern auch die Motivationsspritze Königsklasse längst abhanden gekommen.
In der Europa League steht das Team noch immer unter Dampf. Zwar gingen auch international die vergangenen drei Auswärtspartien (0:1 in Tel Aviv, 2:3 in Eindhoven, 3:4 in Anderlecht) verloren – für die nächste Runde hat es bislang aber immer gereicht. Und heute? "Mir geht’s nur ums Weiterkommen", sagt Labbadia. "Unser Ziel ist der 12. Mai", betont Nationalspieler Jerome Boateng. Der Tag des Endspiels im eigenen Wohnzimmer. Es hängt maßgeblich vom Spiel in Lüttich ab, ob Labbadia zu diesem Zeitpunkt noch HSV-Trainer ist. Alles andere ist ungewiss!