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LOKI (†): Sie starb in den Armen ihrer Tochter

Das MOPO-Wahlkampf-Zeugnis

Nicht auszudenken, was ihr Mann jetzt empfindet, dem sie 68 Jahre nicht nur Ehefrau, sondern auch beste Freundin und wichtigste Beraterin war. So, als ahnte er schon, dass es viele Gelegenheiten dazu nicht mehr geben würde, hatte der Altkanzler kürzlich eine Liebeserklärung verfasst: das Vorwort zu Lokis neuestem und letztem Buch. Von "unverzagt sein, weil wir zu zweit waren", schreibt er darin. Und davon, dass sie ihm all die Jahre eine "unverzichtbare Hilfe" war. Helmut Schmidt schließt: "Danke. Danke von ganzem Herzen."



Kurzhaarfrisur, Rollkragenpulli, schlichte Röcke oder noch lieber Hosen -so kannte die Nation Loki. Und bis zum Schluss - da ähnelte sie ihrem Mann sehr -steckte sie sich noch gern eine an. Wer sie kannte, der schätzte ihre Bodenständigkeit, ihre Geduld, ihre Disziplin und ihre Verlässlichkeit. Nie gab es in dieser Ehe Skandale. Vor allem in der Zeit, als ihr Helmut Staatsmann war, erwies sie sich als echte Preußin. Ob im Weißen Haus oder im Buckingham Palace -wo immer sie auf dem Roten Teppich stand, wusste sie: "Ich stehe hier nicht als Frau Schmidt, sondern als Frau Deutschland."



Als Hannelore Glaser am 3. März 1919 in ärmlichen Verhältnissen in der Schleusenstraße in Hammerbrook zur Welt kam, da deutete noch nichts darauf hin, dass sie einmal Staatsmännern wie Mao Zedong und Jimmy Carter die Hand schütteln würde. Ihr Vater war Hafenarbeiter, und zu Hause ging es ziemlich unkonventionell zu. "Meine Eltern liefen durchaus auch mal nackt durch die Wohnung", berichtete sie später. In der Schule war das Mädchen mit Abstand die Größte der Klasse und hatte den Spitznamen "Schmeling" weg. Weil sie stark war und häufig die Jungs verprügelte. Irgendwen, so meinte sie mal lächelnd, habe es immer zu verteidigen gegeben.



Die Nazi-Zeit. Krieg. Bombenangriffe. Hunger. Prägende Jahre. In Interviews erzählte Loki Schmidt davon, wie sie 1934 Hitler bei dessen Besuch in Hamburg gesehen hat -und wie entsetzt sie über sich selbst war. "Ich habe mich dabei ertappt, dass ich den Arm hochnahm. Ich schrie! Und ich habe mich wahnsinnig geschämt."



Nie wieder hat sie sich verbiegen lassen. Als Kanzlergattin beim Empfang durch Queen Elizabeth verweigerte sie den protokollarischen Knicks. Obwohl streng verboten, sprach sie Japans Kaiser Hirohito bei Tisch direkt an und plauderte -ganz die Umweltschützerin -mit ihm über Fische. Der Kaiser soll höchst amüsiert gewesen sein.



In den vergangenen Jahren machte der Gesundheitszustand von Loki Schmidt immer wieder Schlagzeilen. Mal musste sie nach einem Schwächeanfall ins Krankenhaus, mal nach einem Sturz mit dem Rol-lator.



Vor vier Wochen, am 23. September, stürzte sie wieder, brach sich den rechten Knöchel. Daheim im Bungalow in Langenhorn ist es passiert. Nach der Operation diagnostizierten die Ärzte ein "Durchgangssyndrom" -eine Verwirrtheit, die bei älteren Menschen durch Stress oder plötzliche Ortswechsel auftreten kann.



Sie hat sich davon nicht mehr erholt. In der Nacht zu Donnerstag schlief Loki Schmidt für immer ein. Sie starb in den Armen ihrer Tochter.



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