Es ist ein Musikprojekt der besonderen Art. Nach jahrelanger Planung gedenken auf dem Album "We Are Only Riders" Pop-Größen wie Nick Cave oder Mark Lanegan des verstorbenen Jeffrey Lee Pierce. Ein Zufallsfund brachte Songfragmente des Sängers des legendären "Gun Club" zutage.
Die Lieder einer der wegweisenden Indie-Bands der 80er Jahre finden jetzt ihre würdige Vollendung. Als was soll man das liebevoll aufgemachte Album "We Are Only Riders" bezeichnen: Sensation, Wunder, Geschenk, Glücksfall oder alles zusammen?
Seine Geschichte beginnt mit einem Klischee. Ein gänzlich unbekannter Mann namens Tony Chemlik räumte in London seinen Dachboden auf und entdeckte eine Tüte mit Demotapes und Mixkassetten. Die enthielten unveröffentlichte Songskizzen, Fragmente, Sessionmusik in grauenhafter Qualität.
Die Aufschrift "JLP-Songs" ließ den einstigen Plattenverkäufer stutzen, kam doch ein gewisser Jeffrey Lee Pierce häufig in den Laden, um obskure Scheiben zu hören. Einer der wichtigsten Musiker der 80er, der mit seiner Band "The Gun Club" dem Blues eine eigene Note gab.
Pierce, der aus Los Angeles stammte und in seinen letzten Lebensjahren zeitweise in London lebte, erfand eine unwiderstehliche Mischung aus desperatem Psychobilly-Blues, Alternative-Rock, Country und Punk. Seine klagende Stimme konnte alles ausdrücken: Wut, Verzweiflung, Fieberwahn und majestätische Schönheit. Am Endes seines Weges hatte Pierce nicht nur poetische Lieder wie "Lucky Jim" oder "The Breaking Hands" geschrieben, die einem eine gefühlte Jugend später noch die Tränen in die Augen treiben.
Er hatte seinen Körper so mit Giften zerstört, das nur noch ein Medikamentencocktail den Tod verhinderte bis er im März 1996 starb. Drei Jahre zuvor fand noch das letzte Deutschland-Konzert des "Gun Club" im Hamburger "Docks" statt.
Nun also die Wiederauferstehung des einstigen Vorsitzenden des amerikanischen "Blondie"-Fan-Clubs und Freundes von Debbie Harry. Natürlich war die Punk-Ikone an "We Are Only Riders" genauso beteiligt wie andere Zeitgenossen und Brüder im Geiste: Nick Cave, Woven Hand, Isobel Campbell, Barry Adamson und Mick Harvey (Ex-Bad-Seeds), Kid Kongo Powers, Raveonettes, Chris Stein (Blondie), Marl Lanegan, Lydia Lunch. Sie alle interpretierten die Song-Rudimente von Pierce in dessen Sinne.
Drei Jahre dauerte es von den beharrlichen Kontaktaufnahmen bis zu Aufnahmen zwischen L.A., London und Melbourne. Die Linernotes im Booklet stammen unter anderem von Wim Wenders und Henry Rollins. All die Mühe hat sich gelohnt!
“We Are Only Riders The Jeffrey Lee Pierce Session Project³
(Glitterhouse/Indigo) ist am 15. Januar
erschienen.