Das nennt man eine klare Ansage: "Die heutige Ausgabe der Hamburger Morgenpost ist sofort aus dem Verkauf zu nehmen." So steht es auf einem Lidl-internen Fax vom vergangenen Freitag, das der MOPO vorliegt. Der Discounter wollte offenbar verhindern, dass Belegschaft und Kunden einen kritischen MOPO-Artikel lesen.
"Hamburgs mutigster Angestellter" lautete die Überschrift des Berichts über Tayeb Azzad. Der 39-Jährige ist der erste Betriebsrat einer Hamburger Lidl-Filiale. Der MOPO beschrieb er am Tag seines Wahlsiegs, wie Lidl die Kandidatur bekämpft hatte. Die Gewerkschaft ver.di äußerte zudem Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Lidl und den Versuchen, Betriebsräte zu verhindern. So gibt es laut ver.di in 2700 Lidl-Märkten nur eine Handvoll Betriebsräte.
Das passte dem Konzern wohl nicht. "Frühmorgens flatterte das Fax in die Filiale", schreibt der MOPO ein Lidl-Subunternehmer. "Als ich den Artikel las, war klar, warum. Die Mitarbeiter wussten nichts und mussten Kunden erklären, die MOPO sei ,nicht lieferbar'."
Lidl bedauerte gestern die "eigenmächtige Entscheidung eines Mitarbeiters". Das decke sich nicht mit der Unternehmenspolitik. Überhaupt scheint die ganze Angelegenheit für Lidl sehr überraschend zu sein: "Der Wunsch, einen Betriebsrat zu bilden, hat uns verwundert, zumal unsere Mitarbeiter nach eigener Aussage mit den Bedingungen zufrieden sind."