Marcel Weinand (42) erinnert sich noch zu gut an die schweißtreibende Arbeit: "Als wir diese Räume übernahmen, mussten wir sie in mühevoller Eigenarbeit umgestalten." Weinand und Gesine Lenz (36), beide Bühnenbildner am Bahrenfelder Lichthof-Theater, waren persönlich verantwortlich für die Umgestaltung der alten Fabriketage.
Jetzt, sieben Jahre nach dem Umbau des Lofts, gewannen Weinand und Lenz den renommierten "Rolf-Mares-Preis der Hamburger Theater" für ihr Bühnenbild zur Produktion "Woolworld". Die beiden Lichthofler standen plötzlich im Blitzlichtgewitter neben Hamburger Unterhaltungsstars wie Tim Fischer und Heidi Mahler. "Wir waren völlig baff - mit dieser Auszeichnung haben wir niemals gerechnet", sagt Weinand.
Das Lichthof-Theater ist aus der Landschaft der Hamburger Off-Bühnen längst nicht mehr wegzudenken. Dabei ist die Zusammenstellung eines anspruchsvollen Programms vor jeder Spielzeit ein echtes Abenteuer. "Wir bekommen immer noch keine ständige Förderung vom Senat", erzählt Intendantin Maryn Stucken. Man finanziere sich durch Eintrittsgelder, durch die Vermietung der zwei Säle für Schauspielkurse - und durch Spenden.
Wie bei allen Hamburger Privatbühnen ist auch der Etat des Lichthof-Theaters mickrig. "Es ist eine Kunst, Bühnenbildner zu finden, die mit geringen Mitteln aussagekräftige Kulissen zaubern können," sagt Stucken.
Doch Weinand und Lenz sind so welche. Die Innenarchitektin Gesine Lenz schuf 1999 die Kulissen zu Goethes "Urfaust" an einem Theater in Montevideo, ihre Diplomarbeit. Das unerwartete Preisgeld teilt sie sich mit Weinand. "Jeder von uns bekam sogar noch einen Montblanc-Füller", erzählt sie mit einem Augenzwinkern.
Die beiden Kreativen profitieren jetzt schon von ihrer neuen Popularität. "Nach der Preisverleihung gratulierten mir Menschen, die ich vorher gar nicht kannte", erzählt Lenz. Und der neue Ruhm soll auch auf das Lichthof-Theater abfärben. "Die Öffentlichkeit weiß jetzt, dass man nicht ins Thalia Theater oder ins Schauspielhaus gehen muss, um ausgezeichnetes Theater zu sehen", freut sich Intendantin Stucken.
Sie möchte noch lange großes Theater im kleinen Rahmen bieten - und schwarze Zahlen schreiben. Preisgekrönte Bühnenbildner und zwei neue Füllfederhalter stehen bereit.