Der Familienvater Ahmet K. (50) wurde knapp drei Wochen lang vermisst. Gestern reiste die Familie des Mannes aus der Türkei an, um auf eigene Faust nach dem Verschwundenen zu suchen. Nachmittags bekamen die Angehörigen die furchtbare Nachricht: Ahmet K. ist tot. Es sind seine Beine, die ein Passant in einem Müllsack in Harburg gefunden hatte (MOPO berichtete). Der mutmaßliche Täter ist Orhan Y. (53). Der Mann, der am Bahnhof Harburg mit etlichen Messerstichen in Hals und Oberkörper gefunden wurde.
Ahmet K. und Orhan Y. kannten sich seit Jahren, arbeiteten gemeinsam in einer Putzkolonne am Bahnhof Harburg. Zuletzt teilten sich die Freunde sogar eine Wohnung in Buchholz. Seit dem 22. Mai war Ahmet K. spurlos verschwunden. Immer wieder hatte sich Orhan Y. bei den Beamten erkundigt, ob es etwas neues zu dem Vermisstenfall gibt. Er soll nach dem Verschwinden seines Mitbewohners sogar zur Polizei gegangen sein und gesagt haben, dass er Angst habe und beschützt werden müsse.
Dienstagmorgen entdeckte ein ehemaliger Kollege den 53-Jährigen mit Messerstichen in Hals und Oberkörper am Bahnhof Harburg. Wenig später wurden in unmittelbarer Nähe an der Harburger Poststraße die abgetrennten Beine in einem Müllsack gefunden.
Ein DNA-Abgleich bestätigte gestern, dass die Leichenteile von Ahmet K. stammen. Die Ermittler haben Orhan Y. im Krankenhaus vernommen. Wegen seiner schweren Halsverletzungen konnte der Mann nicht sprechen. Jedoch schrieb er auf einen Zettel, dass er Ahmet K. im Schlafzimmer der Wohnung in Buchholz getötet habe und dass der Rest der Leiche an der blauen Brücke an der Rütgersstraße in Buchholz liegen würde – direkt am Bahnhof. Sofort fuhren Beamte zu der Brücke und suchten nach den Leichenteilen. Sie entdeckten eine Mülltüte mit sterblichen Überresten.
Vermutlich hatte Orhan Y. seinen Mitbewohner ermordet, den Körper danach zerstückelt und die Leichenteile zuerst in Buchholz und dann in Harburg versteckt. Danach ging der Mann zum Bahnhof und rammte sich selber das Messer in den Körper. Warum er die Leiche an zwei verschiedenen Bahnhöfen ablegte und ob er sich umbringen oder nur den Verdacht von sich ablenken wollte, ist noch unklar. Auch zu dem Motiv gibt es bisher keine Erkenntnisse. Die Polizei in Buchholz hat die Ermittlungen übernommen.
Nachdem die Familie von Ahmet K. gestern am Bahnhof Harburg mit Kollegen des Vermissten gesprochen hatte, mussten die Männer nachmittags zur Polizei. Dort wurde ihnen mitgeteilt, dass der 50-Jährige das Opfer ist. Als der Bruder, Sohn und die Cousins von Ahmet K. aus dem Polizeipräsidium kamen, wirkten sie gefasst. Zeki K. (23), der Sohn des Opfers, hatte nach dem Verschwinden seines Vaters mehrfach Kontakt zu Orhan Y. „Er wirkte doch so erschüttert und traurig.“ Seltsam: Zeki K. sagte auch: „Wir hoffen, dass es sich bei dem Toten nicht um meinen Vater handelt.“ Die Beamten hätten ihm gesagt, dass der Tote nicht Ahmet K. ist. Ein Ermittler: „Das stimmt nicht.“