"Wenn Kinder trotz Hilfsangeboten dauerhaft übergewichtig sind, dann muss man den Eltern das Kindergeld oder Hartz-IV kürzen", sagt Josef Kraus.
Nach seiner Vorstellung müsste es wieder viel mehr Schulärzte geben. "Sie sollten Grundschüler jedes Jahr auf die Waage stellen und ihr Gewicht kontrollieren." Bei deutlichem Übergewicht müsse es dann Gespräche mit den Eltern und Hilfsangebote geben. "Wenn das nichts nützt und die Kinder nach einem Jahr beim nächsten Wiegen immer noch zu dick sind, dann muss man andere Maßnahmen ergreifen." Zunächst müsste dann das Jugendamt eingeschaltet werden. "Und wer dann noch beratungsresistent ist, den erreicht man offenbar nur über den Geldbeutel", so Kraus.
Laut Kraus ist das massive Übergewicht bei Kindern kein Wunder. "Die Kinder bewegen sich kaum noch, sitzen immer mehr vorm Fernseher und PC." Zudem beobachte er Mütter, die ihre Kinder in der Mittagspause von der Schule abholen und mit ihnen zu McDonald's fahren. "Dabei gibt es gesundes Essen in der Schulmensa." Kraus will deutliche Worte sprechen, aber "ich sehe mich nicht als den neuen Thilo Sarrazin, der Hartz-IV-Empfänger geißelt." Man müsse aber bei einem drastischen Problem auch an Kürzungen von Kindergeld oder Hartz-IV um 10 bis 15 Prozent denken.
Davon hält der Verband der Hamburger Kinderärzte nichts. "Das ist eine äußerst populistische Äußerung, die das komplizierte Problem überhaupt nicht löst", so der Kinderarzt Stefan Renz. "Mit weniger Geld in der Tasche werden die Kinder auch nicht dünner." Das Hartz-IV-Geld reiche jetzt schon kaum, um sich davon gesund zu ernähren.