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LAUSCHANGRIFF BEI »ASKLEPIOS«

Wie abhängig sind die Gutachter?

Der Abhörskandal bei Asklepios Hamburg - in dieser Woche soll das Beratungsunternehmen "Ernst & Young" seinen Bericht zum Lauschangriff vorlegen. Die Asklepios-Zentrale in Königstein im Taunus hatte das Unternehmen als "neutrale Institution" mit einer "unabhängigen Untersuchung" beauftragt. Doch wie unabhängig ist "Ernst & Young" in diesem Fall tatsächlich?



Zweifel sind angebracht. Denn "Ernst & Young" in Deutschland steht in direkter Verbindung mit Asklepios - und vor allem mit dem Gründer und Alleingesellschafter des Klinikkonzerns Dr. Bernard Broermann. Denn der starke Mann bei Asklepios arbeitete bis 1983 für "Ernst & Whinney", einem Vorgänger von "Ernst & Young" International. 1983 gründete Broermann Asklepios. Sprecher Rudi Schmidt wollte gestern gegenüber der MOPO lediglich geschäftliche Beziehungen zwischen der Beratungsfirma und Asklepios in der Vergangenheit einräumen - ohne aber konkret zu werden.



Nach Informationen der MOPO bestehen diese Verbindungen noch heute. "Ernst & Young" prüft die Bücher für den Klinikkonzern und erhält dafür einen hohen Geldbetrag. Und die Verbindungen gehen möglicherweise sogar noch weiter: "Ernst & Young" soll in den vergangenen Jahren immer wieder direkt oder indirekt bei der Expansion des Konzerns geholfen haben.



Warum beauftragt Asklepios also ausgerechnet "Ernst & Young" mit der Untersuchung? Und das, obwohl der Verdacht noch nicht ausgeräumt ist, dass die Zentrale im Taunus hinter der Abhöraktion in Hamburg stecken könnte. Zwei weitere Fragen drängen sich auf: Warum hat Asklepios noch keinen Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft Hamburg gestellt? Offiziell heißt es, man wolle erst das Gutachten abwarten. Aber auch die Stadt als Anteilseigner muss sich fragen, ob alles für die Aufklärung des Falls getan wird.

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Datum:  4.5.2009
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