Die Story: 1933, rund 70 Jahre nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei, stößt die junge Grace (Bryce Dallas Howard) in Alabama auf eine Farm, in der die schwarzen Arbeiter noch immer ausgepeitscht und wie Sklaven gehalten werden. Mit Hilfe ihres Gangsterboss-Vaters (Willem Dafoe) besetzt sie das Gut, übergibt den farbigen Knechten die Herrschaft und ist entschlossen, ihnen beizubringen, was Freiheit und Demokratie bedeuten - ein schier aussichtsloses Unterfangen, wie sich herausstellt.
Die Schauspieler: Bryce Dallas Howard, die Tochter des Regisseurs Ron Howard, fesselt wie schon in ihrem Leinwand-Debüt "The Village" mit ihrem hoch emotionalen Spiel: Der unschuldige Enthusiasmus, mit dem Grace versucht, aus den Sklaven freie und mündige Bürger zu machen, bricht einem schier das Herz. An ihrer Seite agieren neben Leinwand-Größen wie Lauren Bacall ("Tote schlafen fest") und Willem Dafoe ("Platoon") vorwiegend schwarze europäische Darsteller wie Isaach de Bankolé ("Night On Earth"), nachdem außer "Lethal Weapon"-Star Danny Glover kein Afroamerikaner den Mut hatte, mitzumachen.
Der Regisseur: Nach "Dogville" hat Lars von Trier auch den zweiten Teil seiner USA-Trilogie in einer riesigen, nahezu leeren Fabrikhalle inszeniert, in der Gebäude, Straßen und andere Örtlichkeiten mit schwarzer Schrift auf dem weißen Boden aufgemalt sind. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche erreicht der Autor und Regisseur eine gnadenlose Intensität und sorgt dafür, dass uns "Manderlay" mit der Wucht einer Shakespeareschen Tragödie trifft - dramaturgisch noch ausgereifter als "Dogville", noch perfider, noch raffinierter konstruiert: Wie in einem chemischen Labor untersucht von Trier, was passiert, wenn man jemandem die Freiheit aufzwingt. Verweise auf Afghanistan oder den Irak sind unverkennbar. Der erbarmungslose Zynismus, mit dem er Machtlust, Korruption und Egoismus vorführt, Mechanismen der Unterdrückung aufdeckt und kontroverse Themen wie die Todesstrafe abhandelt, verschlägt einem schlichtweg den Atem.
Fazit: Lars von Trier regt an. Und er regt auf: Seine brillante Rassismus-Parabel ist der verstörendste und provozierendste Film des Jahres.