Bruno Labbadia hatte es in den letzten Wochen stets vermieden, die immer größer werdende Kranken-Akte des HSV zum Thema zu machen. "Entscheidend sind die Spieler, die hier sind und die ich einsetzen kann", ließ der Trainer immer wieder verlauten. Seit gestern ist damit Schluss. Die erneuten Hiobsbotschaften waren auch für Labbadia eine Nummer zu groß. Wieder einmal muss der HSV eine Länderspielpause teuer bezahlen. Marcus Berg, Tunay Torun, Jerome Boateng und Jonathan Pitroipa heißen die nächsten Opfer. Nichts geht mehr. Der HSV liegt flach. Wie soll das am Sonntag gegen Bochum nur gut gehen?
"Man denkt immer, es kann nicht schlimmer kommen. Wir sollen offenbar geprüft werden. Immer wenn Länderspiele sind, halten wir den Atem an", erklärte Labbadia, der gestern nicht wusste, wen er überhaupt derzeit noch auf den Platz schicken kann. Neben den Langzeitverletzten Bastian Reinhardt, Romeo Castelen, Mladen Petric, Paolo Guerrero, Alex Silva, Collin Benjamin hatte es zunächst Zé Roberto erwischt. Es folgte Pitroipa und nun auch noch Boateng, Berg und Torun. Gleich elf Spieler können damit derzeit nicht eingesetzt werden. Die Chancen auf Besserung bis zum Bochum-Spiel sind nur gering.
Bei Pitroipa (Zerrung im Adduktoren-Bereich) schloss Labbadia einen Einsatz gegen den VfL bereits gestern definitiv aus. Viel besser sind die Aussichten bei Berg und Torun auch nicht. "Marcus lag die letzten vier Tage krank im Bett. Es wird sicherlich sehr eng für ihn. Gleiches gilt für Tunay. Auch er hat eine Grippe. Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir die Spieler nicht zu früh zur Mannschaft lassen", so Labbadia.
Zumindest sehr ungewiss ist der Einsatz von Boateng (Wade), leichte Besserung aber noch lange kein Grünes Licht gibt es bei Zé Roberto. Dem Brasilianer (Bänderanriss) wurde am Mittwoch in München der Gips abgenommen. Nach einer Kernspintomographie ging es gestern im Flieger zurück nach Hamburg. Die Bilder der Untersuchung zeigen, dass das lädierte Band verheilt ist. Die Zeit bis Sonntag wird jedoch verdammt knapp. Der 35-Jährige konnte die letzten zehn Tage seinen rechten Fuß nicht belasten und soll nun langsam wieder aufgebaut werden.
"Es ist bitter, dass bei uns immer wieder so viele Spieler zurückgeworfen werden", sagt Nationalspieler Marcell Jansen zur fast schon dramatischen Situation. Es ist spätestens seit gestern das Haupt-Thema beim HSV.