Wann stirbt der nächste Mensch unter der Anleitung des Ex-Justizsenators Roger Kusch? Auf MOPO-Anfrage gab der Sterbehelfer an, dass er mit zahlreichen Lebensmüden in ganz Deutschland Kontakt halte und in "unterschiedlichen Beratungsstadien" sei. Es gebe bereits ein weiteres Gesprächsvideo. Die beiden Rentnerinnen, die Kuschs "Dienste" bisher in Anspruch genommen haben, waren wenige Tage nach den Aufzeichnungen ihrer Videos tot.
Für die Beratung berechnet der Jurist ein "Pauschalhonorar" von 8000 Euro: "Dafür bin ich Gesprächspartner und die Menschen bekommen eine Handynummer, unter der sie mich rund um die Uhr erreichen können." Die tödlichen Medikamente Chloroquin (gegen Malaria) und Diazepam (Beruhigungsmittel) sind nicht im Preis enthalten: "Die besorgen die Sterbewilligen sich selbst. Wie sie daran kommen, überlasse ich erst mal deren Phantasie. Wenn sie Hilfe brauchen, würde ich aber Tipps geben."
Sein tödlicher Spritzenapparat sei noch nicht zum Einsatz gekommen, so Kusch: "Die beiden Damen haben die Medikamente getrunken. Die Injektionen sind nur für Fälle gedacht, in denen die Menschen das nicht mehr können." Er habe auch schon einen Interessenten abgelehnt, so Kusch: "Die Ehefrau war strikt gegen den Sterbewunsch des Mannes. Daraufhin habe ich mein Hilfsangebot beendet."
Am 30. September hatte die Hamburger Rentnerin Inge Iassov (84) in Anwesenheit von Roger Kusch den Todescocktail getrunken. Am 28. Juni half er Bettina Schadt (79) in Würzburg beim Selbstmord. Während die Ermittlungen der Würzburger Staatsanwaltschaft eingestellt wurden, hat die Hamburger Staatsanwaltschaft ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Ermittelt wird nicht gegen Kusch, da die Beihilfe zum Suizid nicht strafbar ist.
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