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KUSCH GRÜNDET NEUE PARTEI

»Ich bin kein Rattenfänger«

Vier Wochen lang hatte er beharrlich geschwiegen, wich allen Fragen zu seiner politischen Zukunft aus. Gestern, einen Monat nach seiner Entlassung durch Bürgermeister Ole von Beust und seinem spektakulären Austritt aus der CDU, ließ Ex-Justizsenator Roger Kusch die Katze aus dem Sack. Der 51-Jährige hat eine neue Partei gegründet! Sie soll Wähler rechts von der CDU ansprechen. Wird Kusch ein neuer Schill? Im MOPO-Interview spricht er über seine Pläne.



MOPO: Herr Kusch, Hand aufs Herz: Ist es nicht eine Schnapsidee, eine neue Partei aus der Taufe zu heben?



Roger Kusch: Keineswegs.



MOPO: Das müssen Sie genauer erklären. Warum braucht Hamburg eine neue Partei?



Kusch: Weil die Menschen, die sich bisher im konservativen Teil der CDU wiedergefunden haben, genau wie ich, keine politische Heimat mehr haben. Die CDU ist sowohl in Hamburg als auch auf Bundesebene deutlich nach links marschiert.



MOPO: Wofür steht die neue Partei programmatisch?



Kusch: Ich sehe ihre Aufgabe darin, sich rechts von der politischen Mitte einzuordnen. Sie wird sich zum Beispiel strikt für Recht und Ordnung einsetzen. Das ist in letzter Zeit bei der CDU leider etwas in Vergessenheit geraten. Außerdem werden wir, da ich den Vorsitz übernehmen werde, auch für die Abschaffung des Jugendstrafrechts und die teilweise Legalisierung der aktiven Sterbehilfe eintreten.



MOPO: Stichwort Recht und Ordnung: Sie wollen also eine Art neue Schill-Partei gründen?



Kusch: Einspruch! Ich bin kein politischer Ratttenfänger. Die Zeit bis zur Bürgerschaftswahl 2008 wird zeigen, dass wir weder die Schill-Partei kopieren noch in den Verdacht der mangelnden Seriosität geraten werden. Wir werden nicht mit niederen Instinkten spielen, um Wählerstimmen zu erhaschen.



MOPO: Aber wo sollen denn die Wähler herkommen? Sie haben selbst gesagt, dass Hamburg eine im Prinzip sozialdemokratische Stadt sei. Außerdem sitzt die CDU derzeit doch fest im Sattel.



Kusch: Unser Ziel ist es, in die Bürgerschaft einzuziehen. Dafür reichen fünf Prozent der Stimmen. Klar ist: Es gibt eine Minderheit in Hamburg, die mit sozialdemokratischem Gedankengut nichts am Hut hat und die sich auch von der nach links gewanderten CDU nicht mehr vertreten fühlt.



MOPO: Wer sind Ihre Mitstreiter? Mischt Ex-Innensenator Dirk Nockemann, der ja auch eine Partei rechts von der CDU gründen will, bei Ihnen mit?



Kusch: Nein. Nockemann gehört weder zu den bisherigen noch zu den künftigen Mitstreitern. Im Übrigen: Warten Sie den 1. Mai ab, dann werde ich Ihnen auch den Namen der neuen Partei nennen.



MOPO: Wollen Sie auch auf Bundesebene antreten?



Kusch: Nein. Die Partei ist und bleibt auf Hamburg beschränkt.

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Datum:  29.4.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“