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Retrospektiven zu Hans Haacke in Hamburg und Berlin

Hamburg/Berlin - Kaum ein Kunstwerk hat in Deutschland eine so heftige Diskussion über Kunst und Politik ausgelöst wie Hans Haackes Installation «Der Bevölkerung» in einem Innenhof des Berliner Reichstags.

Mit seinem mit Erde aus den Wahlkreisen der Abgeordneten gefüllten Beet wollte der Künstler auch einen Kontrapunkt zur Inschrift im Giebel des Reichstags setzen: «Dem deutschen Volke». Zum 70. Geburtstag Haackes, der seit 1965 in New York lebt, zeigen die Hamburger Deichtorhallen und die Berliner Akademie zeitgleich die erste Retrospektive des bedeutenden Konzeptkünstlers mit dem Titel «wirklich - Werke 1959-2006». Die Aufzeichnung der Bundestagsdebatte über das umstrittene Kunstwerk ist dabei Teil der Berliner Schau.

In Hamburg liegt der Schwerpunkt auf den frühen Arbeiten sowie auf den Werken, die um Wirtschaft, Unternehmen und Sponsoring kreisen. «Haackes Einfluss auf die Kunst der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit ist unübersehbar», sagte Deichtorhallen-Direktor Robert Fleck am Donnerstag. Haacke habe vor allen anderen die heute mehr denn je aktuellen Themen der Verhältnisse zwischen Ökonomie und Ökologie, sozialer und kultureller Macht, wirtschaftlichen Interessen und Kunstmarkt, Politik und Geschichte in die zeitgenössische Kunst eingeführt. Denn Kunst, so Haacke, «ist eine schwache, wenn auch auf Grund ihres sozialen Ansehens nicht vollständig unbedeutende Kraft, unser Bewusstsein zu formen».

Auf 3000 Quadratmetern ohne Stellwände zeigen die Deichtorhallen 41 Arbeiten, davon 30 zum Teil technisch aufwendige Installationen. Zu sehen sind unter anderem drei Werke, mit denen Haacke auf der Kasseler documenta für Aufsehen sorgte: Zum NATO-Gipfel in Bonn 1982 stellte er einem Ölgemälde des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan ein Foto der Demonstranten gegenüber, die gegen die Stationierung von Atomraketen auf deutschem Boden protestierten. 1987 prangerte Haacke unter dem Titel «Kontinuität» mit dreidimensionalen Logos der Deutschen Bank und Daimler-Benz und Fotos von einem Protestzug von Schwarzen die Geschäfte der deutschen Unternehmen mit dem damaligen Apartheidsregime an.

Mit einer temporären Installation am Münchner Königsplatz, einem der Hauptaufmarschplätze der Nationalsozialisten, machte Haacke 1991 auf die Geschäfte deutscher Unternehmen wie Siemens, Thyssen, Klöckner und Mannesmann mit dem Regime von Saddam Hussein aufmerksam. «Das war eine Zeit, in der sich nicht nur die deutsche Industrie im Irak eine goldene Nase verdient hat», sagte Haacke. Dabei sei bereits damals bekannt gewesen, dass Saddam Hussein einen großen Teil der Bevölkerung unterdrückte und sogar vergast hat. «Die Firmen hätten überlegen müssen, ob sie mit einem solchen Diktator kooperieren wollen.» In anderen Arbeiten thematisiert Haacke die Einflussnahme der Unternehmen auf den Kunstmarkt: «Wer das Geld gibt, kontrolliert. Hilmar Kopper, Deutsche Bank», heißt es da auf einem Plakat.

In der Berliner Akademie der Künste am historischen Pariser Platz spielen Werke zu Geschichte und Politik die Hauptrolle. An der Glasfassade des Gebäudes hat Haacke in seiner Installation «Kein schöner Land - weil sie nicht deutsch aussahen» die Namen von Opfern des Fremdenhasses in Deutschland auf großen Transparenten angebracht. Neben den Namen sind auch die Daten und das Herkunftsland sowie Vermerke wie «erschlagen» oder «verbrannt» aufgeführt.





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Datum:  16.11.2006
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen