Der Schock in Hamburgs Subkultur-Szene sitzt tief - die Clubs "Waagenbau", "Fundbureau" und "Astra-Stube" an der Sternbrücke (Sternschanze) stehen vor dem Aus, die Bahn hat die Räume gekündigt (MOPO berichtete). Die Betreiber werden nun mit Solidaritätspost überhäuft, auch Hamburgs derzeit angesagtester Künstler Jan Delay (32) meldet sich zu Wort.
"Für das ,Waagenbau` und die ,Astra-Stube` tut es mir natürlich besonders leid", so der Künstler zu MOPO. In den Clubs an der Kreuzung Max-Brauer-Allee/Stresemannstraße hat er selber oft gefeiert. Jan Delay hat der Ecke auf seinem neuen Album "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" sogar ein Denkmal gesetzt - ein Foto der Sternbrücke mitsamt "Astra-Stube" ziert das Cover.
"Als mein Grafiker und ich den Ort für das Cover wählten, wussten wir noch nicht, dass er bald Geschichte werden würde. Wir fanden einfach, dass es der zeitloseste, souligste Platz in Hamburg ist", so der Musiker zur MOPO. Er sieht das Aus als Ende einer Entwicklung. "Es ist das traurige Finale der Schanzen-Zerstörung. Körperlich und geistig. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein H&M in der Roten Flora", kommentiert er.
Die Räume gehören der Bahn. Sie will dort Pfeiler mit einem Durchmesser bis zu 50 Zentimetern errichten, um die Gleise darüber zu stützen. "Die Räume werden dann von den Betonpfeilern so zerschnitten sein, dass man sich nicht mehr normal bewegen kann", so ein Bahnsprecher.
Zum 31. Dezember dieses Jahres müssen die Clubs raus. Und was wird dann aus ihnen? In der Nähe gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten, eine von der Bahn angebotene Alternative in Barmbek - zu weit weg. Heute gehen die Betreiber an die Öffentlichkeit, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Bei allen Sorgen, eines freut sie. Volker Meier ("Astra-Stube"): "Wir haben viele Solidaritätsbekundungen bekommen. Es zeigt, dass all unser Engagement in den vergangenen Jahren richtig war."
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