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Künstler fühlen sich von Armut bedroht

Der Aufstand der Musiker

Kohleofen, undichte Fenster und WG-Klo: Viele Künstler hausen heute nicht besser als Carl Spitzwegs "armer Poet". Wer es nicht zu den Plattenriesen Warner und Co. schafft oder da gar nicht hinwill, lebt oft wie ein armer Schlucker. Deshalb demonstrieren am Sonnabend etliche Hamburger und Berliner Rock- und Popkünstler für mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung.



Ohne Trillerpfeifen und Sprechchöre: Zur Kundgebung um 13 Uhr am Beatles-Platz soll jeder Hamburger Musiker sein Instrument mitbringen. Ab 14.30 Uhr rocken zehn Bands, darunter Duncan Townsend, Beat'n'Blow, Simons Lorence, Alexander von Rothkirch, auf dem Spielbudenplatz! Gegen 23 Uhr jammen alle gemeinsam Beatles-Songs - denn auch die Fab Four fingen einmal klein an und brauchten Unterstützung.



"Komm:POP/p" heißt die Aktion: Ein Gegenentwurf zum Berliner Branchentreff "Popkomm", der dieses Jahr ausfällt und Neu-Talente ohnehin zu wenig berücksichtigt, meint Julia Staron von "Kukuun Booking". "Wir sind aber nicht die Jammeraffen, sondern wollen zeigen, wie viel Kraft und Innovation in der Newcomer-Szene steckt. Es wäre schön, wenn Künstler nicht mehr Dosen in Supermärkten einordnen, sondern sich ganz der Musik widmen könnten", sagt Julia, die mit Claudius Mach und Nina Deißler die Kundgebung ins Leben rief.



Vor allem will die "Komm:POP/p" zeigen, was das Publikum verpasst, wenn es sich mit Einheitsbrei im Radio zufriedengibt.



Noch immer wird der Pop-Nachwuchs stiefmütterlich behandelt: Die meisten Hörfunksender geben Neu-Talenten keine Chance, spielen ein Set immer gleicher Songs ab. Staatliche Stiftungen und Kulturbehörde fördern vor allem klassische Musik. Live-Clubs kämpfen oft selbst, zahlen Bands daher beschämende Gagen. Die GEMA wiederum zwackt den Nachwuchskünstlern noch die mühsam verdienten Kröten ab.



Gefordert sind deshalb die Fans, die leider oft für Live-Mucke keine drei Euro an der Tür lassen wollen. Wer sich cool und wichtig fühlen will, steht auf der Gästeliste. "Oft erlebe ich an der Kasse, dass Gäste sagen: ,Wieso sollte ich zahlen, die Bands haben doch Spaß'", erzählt Julia. Haben die auch, aber dennoch wollen sie einigermaßen leben können. Ohne Plumpsklo und Kohleofen. Weitere Infos: kommpop.wordpress.com.

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Datum:  17.9.2009
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