„Das ist langsam etwas, das nicht mehr zu ertragen ist“, sagte Jantosch über die ständigen Branstiftungen. „Wir haben hier Verbrecher am Werk, die ohne Rücksicht auf Menschenleben unterwegs sind.“ Daher werde zudem eine zentrale Ermittlungsgruppe beim Landeskriminalamt der Hansestadt gegründet.
Bei dem Brand von sechs Autos am frühen Dienstagmorgen konnte die Feuerwehr laut Jantosch „nur mit Glück“ verhindern, dass die Flammen auf ein Wohnhaus übergreifen und die Bewohner - ein Paar mit zwei kleinen Töchtern - in Lebensgefahr bringen. „Jetzt haben wir einen für mich unerträglichen Höhepunkt der ganzen Geschichte gehabt. Es scheint keine Hemmungen mehr zu geben für die Täter.“
Mit Beginn der Nachtschicht am Dienstagabend werde künftig jede Nacht eine Hundertschaft in Zivil in Hamburg unterwegs sein, sagte Jantosch. „Die werden völlig unberechenbar in den unterschiedlichsten Stadtteilen auftauchen. Heute hier, morgen da.“ Die Mitarbeiter sollen sich Nacht für Nacht ausschließlich um die Brandanschläge auf Fahrzeuge kümmern - „unter Vernachlässigung notfalls auch anderer Aufgaben". „Das hat für mich absolute Priorität, das Thema.“
Um Hinweise auf Verdächtige zu bekommen, wollen die Ermittler zudem Kontakt aufnehmen „mit allen Sicherheitsunternehmen dieser Stadt“, mit Taxifahrern und mit Busfahrern der Hochbahn. „Wir brauchen Informationen - auch aus der Öffentlichkeit. Wir müssen Informationen haben von Menschen, die nachts spät nach Hause kommen, die nicht schlafen können und aus dem Fenster gucken. Lieber ein Anruf mehr als einer zu wenig.“
Die neue zentrale Ermittlungseinheit solle sich ausschließlich mit den Fahrzeugbränden beschäftigen, erklärte der Polizeipräsident. „Das war bisher nicht in dieser konsequenten Form - wir haben da immer noch differenziert zwischen vermeintlich politischen und anderen Delikten.“ Die Motive der Brandstifter seien ihm aber „eigentlich völlig egal“: „Wichtig ist, dass wir diesen Tätern endlich Einhalt gebieten.“ Der Leitende Polizeidirektor Kuno Lehmann soll die Gruppe mit ihren mindestens zehn Mitarbeitern steuern.
Der jüngste Fall von Auto-Brandstiftung hatte sich am Dienstag morgen im Stadtteil Hummelsbüttel ereignet: Unbekannte steckten fünf Fahrzeuge an. Die Autos brannten aus. Ein sechster Wagen wurde durch übergreifende Flammen beschädigt. Beim Eintreffen der Feuerwehr standen auf einer Straßenlänge von etwa 60 Metern Autos unterschiedlicher Fabrikate in Flammen. Drei der Wagen wurden unter Carports von Einfamilienhäusern angezündet, die durch die Flammen schwer beschädigt wurden. An einem Wohnhaus barsten durch die Hitzeentwicklung zwei Fensterscheiben.