Nach den Messerattacken vom Wochenende greift Innensenator Udo Nagel (parteilos) jetzt durch: Die Reeperbahn wird künftig per Video überwacht! Zwölf Kameras sollen ab Anfang nächsten Jahres auf dem Kiez zwischen Millerntorplatz, Spielbudenplatz und Nobistor installiert werden. "Es geht darum, die Reeperbahn als Visitenkarte Hamburgs sicherer zu machen - auch im Hinblick auf die Fußball-WM 2006", betonte Nagel.
Binnen Jahresfrist registrierte die Polizei allein 757 Straftaten auf der Reeperbahn - so viele wie sonst nirgendwo in der Stadt. Dahinter folgen in der Statistik mit deutlichem Abstand der Hansaplatz (192 Delikte) und der S-Bahnhof Bergedorf (174 Straftaten). Auch diese beiden Brennpunkte will der Innensenator mit Videokameras bestücken lassen - allerdings frühestens ab Herbst 2006.
Die Kameras sollen schwenkbar und neigungsverstellbar sein, sie verfügen auch über eine Zoom-Funktion. Die aufgezeichneten Bilder laufen direkt in der Einsatzzentrale der Polizei in Alsterdorf auf. Auf einer Videowand mit 16 Einzelmonitoren können die Beamten das Geschehen live verfolgen, bei Bedarf sofort eine Streife losschicken. Die Bildqualität gewährleiste, dass die Aufnahmen auch als Beweismittel vor Gericht genutzt werden können.
Befürchtungen, die Videoüberwachung könnte Kiez-Gänger abschrecken oder die Geschäfte vermiesen, weist Nagel zurück: So genannte Private Zones, etwa Eingänge von Sex-Shops, blieben von der Überwachung ausgespart. Nagel: "Es interessiert uns auch nicht, wer sich in einer Wohnung auszieht." Im Übrigen spiele die Polizei mit offenen Karten: Hinweisschilder sollen an allen Zugängen auf die Videokameras aufmerksam machen. Zudem kündigte der Innensenator an, die so genannten lageabhängigen Kontrollen auf dem Kiez zu verstärken.
Während die CDU Zustimmung zu Nagels Plänen signalisierte, hagelte es Kritik von der Opposition. Antje Möller (GAL): "Kameras verdrängen Straftaten in die Nebenstraßen und verringern nicht die Zahl der Messer in den Taschen." Die SPD monierte, Gewalt in Kneipen könnten auch Kameras nicht verhindern.
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