Die Story: Die vierjährige Amanda verschwindet spurlos aus ihrer Wohnung im Bostoner Arbeiterviertel Dorchester. Nachdem die Polizei im Dunkeln tappt, engagiert ihre Tante das Privatdetektiv-Pärchen Patrick (Casey Affleck) und Angie (Michelle Monaghan). Dank ihrer guten Kontakte zur Unterwelt finden die beiden heraus, dass Amandas Mutter (Amy Ryan), eine koksende Kleinkriminelle und Gelegenheitsprostituierte, Gelder des lokalen Drogenbarons veruntreut hat. Immer tiefer tauchen die Detektive ein in einen Sumpf aus Lügen, Gewalt und Korruption - bis sie der schockierenden Wahrheit auf die Spur kommen ...
Die Schauspieler: Casey Affleck, die große Entdeckung des Westerns "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford", überzeugt hier erneut als undurchsichtiger Nuschler, der wegen seines Milchgesichts von allen unterschätzt wird. Michelle Monaghan, die uns soeben in "Nach 7 Tagen - Ausgeflittert" erfrischt hat, bleibt hingegen blass, denn der Film interessiert sich nicht für ihre Figur (die in der Romanvorlage mindestens ebenso clever, tough und spannend ist wie ihr Partner) und ihre komplexe Beziehung zu Patrick. Dafür glänzt Morgan Freeman in der Rolle des zwielichtigen Polizeichefs, und Ed Harris als schillernder Cop mit finsterer Vergangenheit darf sogar auf seine fünfte Oscarnominierung hoffen. Ebenfalls oscarreif: Broadway-Star Amy Ryan als Rabenmutter-Schlampe im verzweifelten Überlebenskampf.
Der Co-Autor und Regisseur: Verwahrloste Kinder, drogensüchtige Mütter, prügelnde Väter: In seinem ersten Kinofilm zeichnet Ben Affleck ein Bild hoffnungsloser proletarischer Tristesse - und entführt uns in die dreckigsten Ecken von Boston, in denen jedes zweite Wort ein Kraftausdruck ist. Um für authentische Atmosphäre zu sorgen, drehte Affleck, der selbst nahe Boston aufwuchs, an Originalschauplätzen mit Laiendarstellern in Nebenrollen. Seine unspektakuläre, ganz im Dienst der Geschichte stehende Inszenierung entgleitet ihm nur in einer Szene, in der Patrick voller Wut einen Kinderschänder abknallt. Afflecks Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dennis Lehane ("Mystic River") ist jedoch nicht nur eine düstere Milieustudie, sondern auch eine Reflexion über Schuld und Sühne - und eine spannende Reise in die Abgründe der menschlichen Seele, in eine moralische Grauzone, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen: An dem unbequemen Schluss hat man als Zuschauer eine ganze Weile lang zu knabbern.