Kaum war 1997 Arthur Goldens Roman um die Geisha Sayuri Nitta erschienen, gabs Zoff. Mineko Iwasaki, deren Erinnerungen dem Autor als Vorlage dienten, zog vor Gericht. Sie fühlte sich in schiefes Licht gerückt, weil die Hauptfigur des Buchs als eine Art Edelprostituierte porträtiert werde. Dem Erfolg des Romans tat das keinen Abbruch. Allein in der englischen Version verkaufte er sich mehr als vier Millionen Mal.
Auch der Film zum Bestseller sorgt nun für Ärger. Diesmal geht es um nationale Empfindlichkeiten. Im Land der aufgehenden Sonne ist man verschnupft, weil die drei wichtigsten Geisha-Parts in dem Historiendrama von Nicht-Japanerinnen gespielt werden. Und im Reich der Mitte regt sich Protest, weil die chinesische Schauspiel-Ikone Zhang Ziyi die Titelrolle übernahm und sich so quasi mit dem "Erbfeind" gemein gemacht habe.
Die Entscheidung der Verantwortlichen in Hollywood ist jedoch verständlich. Wenn man schon mehr als 80 Millionen Dollar in einen Film pumpt, will man das Flop-Risiko natürlich minimieren. Daher setzten sie lieber auf Darstellerinnen, die auch dem einheimischen Publikum einigermaßen vertraut sind. So sind denn außer Zhang Ziyi ("House of Flying Daggers", "2046") noch ihre Landsfrau Gong Li ("Rote Laterne", "Lebewohl meine Konkubine") und die Malaiin Michelle Yeoh ("Tiger & Dragon", "Der Morgen stirbt nie") in tragenden Rollen zu sehen.
Die Mitwirkung der renommierten asiatischen Schauspielerinnen ist jedenfalls ein Segen für das Werk von Rob Marshall ("Chicago"). Neben der üppigen Ausstattung und den aufwendigen Kulissen zählen die drei bildhübschen Aktricen zu den Attraktionen seines Films. Darüber hinaus hat das schwülstige Melodram allerdings wenig zu bieten. Denn die Story gibt nicht genug her, um die 144 Filmminuten mit Spannung zu füllen.
Erzählt wird im Kern eine "Aschenputtel"-Mär: Vom mittellosen Vater bei Nacht und Regen verkauft, steigt die neunjährige Fischerstochter Chiyo im Vorkriegs-Kyoto mit Hilfe ihrer Mentorin Mameha (Michelle Yeoh) und trotz der Machenschaften ihrer intriganten Rivalin Hatsumomo (Gong Li) zur Top-Geisha Sayuri (Zhang Ziyi) auf. Dabei erfährt man zwar einiges über Ausbildung und Tätigkeit einer Geisha, die unter anderem darin besteht, wohlhabende Männer mit traditionellen japanischen Künsten zu unterhalten. Das alles wird freilich aus einer westlichen Sicht auf die fremde Kultur geschildert und den Motiven des Drehbuchs untergeordnet. So gibt es etwa viel Gewese um die Versteigerung von Sayuris Jungfräulichkeit, was den (falschen) Eindruck verstärkt, Geishas seien im Grunde nur verkappte Prostituierte in prächtigen Kimonos.
Zweifel kommen auch an der Wahrhaftigkeit der Sayuri angedichteten Lovestory auf: Einst spendierte "der Vorsitzende" (Ken Watanabe) der kleinen Chiyo ein Eis. Das soll bei ihr eine Jahrzehnte währende Sehnsucht ausgelöst haben, die erst im amerikanisch besetzten Nachkriegs-Japan eine Chance auf Erfüllung bekommt.