Schon ärgerlich, dieser unter Besuchern des Konzertdoppels Randy Crawford & Joe Sample in der Laeiszhalle verbreitete Irrtum: Dass der Pianist eine Art billige Dreingabe ist, bei dessen Alleingang man schwatzen darf und noch mal flott aufs Klo geht. Ärgerlich, weil Joe Sample alles andere als ein lästiger Platzhalter ist. Sample ist ein Stück Jazzgeschichte, steht seit über 40 Jahren für die Kombi zwischen Jazzclub, Konzerthalle und Dancefloor. Sample spielt die Grooves und plaudert drüber, wo sie herkommen. Ins Trio hat er neben seinem Sohn Nick am Bass die New-Orleans-Blues-Legende Johnny Vidacovich geholt. Um bloß nie die Bodenhaftung zu verlieren.
Ärgerlich ist diese Missachtung von Sample aber auch, wenn man die Rolle von Randy Crawford betrachtet. Der es gelungen war, mit ihrem guten Namen den Saal bis auf den letzten Hörplatz zu füllen. Und die dann arg schwächelte.
Randy Crawford hat eine unglaubliche Stimme, sie schmeichelt und schnurrt, rückt uns immer näher - unanständig nah. Was ein Erlebnis ist. Dem aber arg viele Fehlstarts gegenüber stehen. Und sogar übles Pathos und erbärmliches Deklamieren - eine Diva auf Autopilot, die den Crusaders-Klassiker "One Day I'll Fly Away" in Grund und Boden leiert. Und die nur noch in jenen Mega-Hits wirklich glänzt, die sie zutiefst verinnerlicht hat: "Rainy Night in Georgia" und "Street Life".
Den Rest ihres gerade mal 50-minütigen Auftritts hätte man gern Joe Samples lässiger Geschichtsstunde zugeschlagen. In der der Jazz tiefe Wurzeln im Blues hat, seine Triebe aber bis weit in den Soul und Pop hineinreichen. Und sich niemand verzweifelt bemüht, an alte Tage anzuknüpfen.