Ein einsamer Kämpfer und Streiter, der nichts weiter braucht als Stimme und Gitarre, um die Menschen aufzurütteln. So kennt man Wolf Biermann. Doch im Rolf-Liebermann-Studio konzertierte der raubärtige Barde diesmal mit Chorbegleitung und dem Jazz-Duo Stefan Forssén und Gunnar Lindgren. Das geht ja gar nicht, dachte man - und dachte falsch.
Der Göteborger Kammerchor beschäftigt sich schon seit den 70er Jahren mit Biermann. Mit viel Fingerspitzengefühl für dessen Poesie hat Leiter Gunnar Eriksson die altbekannten Titel neu arrangiert. Mal fungieren die 31 Sänger nur als Echo für Biermanns schnoddrigen Gesang, kommentieren Textpassagen wie "Mich lähmt Bitternis" mit jäh aufwallenden Stoßseufzern oder die Wellen in "Bei Flut" mit schräg schwankendem Summton.
Einiges übernimmt der Chor aber auch im neutönenden Alleingang. So Biermanns Paradestück "Ermutigung", in Schweden so populär, dass man es dort ins offizielle Gesangbuch der protestantischen Kirche aufgenommen hat. Während Biermann in gewohnter Manier kräht, schnauzt und schluchzt, wirft Pianist Forssén feine Klaviersprengsel ein, ebnet Lindgren den Weg zum breit angelegten Sax-Solo. Der einsame Kämpfer und Streiter reiht sich ein in die Schar der Sänger. Biermann als braver Chorknabe? Wer hätte das für möglich gehalten.