Stuttgart - Die Abwrackprämie wird den Autoabsatz in Deutschland nach den massiven Einbrüchen der vergangenen Monate vermutlich stabilisieren helfen. Jeder Dritte, der ein neues Auto anschaffen wolle, habe sich wegen der geplanten Förderung dafür entschieden.
Das ergab eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. «Die Abwrackprämie wird die Pkw-Verkäufe deutlich ankurbeln - vor allem im Kleinwagensegment», sagte Studienautor Peter Fuß am Donnerstag in Stuttgart. Der Branchenverband VDA, der Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) und einige Hersteller berichten über erste positive Auswirkungen der Verschrottungsprämie.
Der Studie zufolge werden die deutschen Hersteller von der geplanten Maßnahme profitieren. Mehr als die Hälfte der Befragten, die wegen der Abwrackprämie mit einem neuen Auto liebäugeln, sind an einem Fahrzeug von einem deutschen Autobauer interessiert. Etwa 57 Prozent wollen einen Kleinwagen für höchstens 15 000 Euro.
Insgesamt planen neun Prozent der 1040 Befragten in diesem Jahr den Kauf eines Neuwagens. Fast zwei Drittel (63 Prozent) davon wollen ein Auto von einem deutschen Hersteller, 38 Prozent einen Kleinwagen. Die große Mehrheit (89 Prozent) erwartet einen Preisnachlass. «Auf die sinkende Nachfrage reagieren die Hersteller mit immer höheren Rabatten», sagte Fuß. «Ohne Rabatt wird kaum noch gekauft.»
Wer seinen mehr als neun Jahre alten Gebrauchtwagen verschrottet und dafür einen Neuwagen erwirbt, erhält den bisherigen Plänen zufolge rückwirkend für Käufe ab dem 14. Januar eine Prämie von 2500 Euro. Fast jeder Zweite (47 Prozent) der Befragten gab an, die Förderung sei zu niedrig, um ihn zum Autokauf zu animieren. 43 der Prozent halten die Höhe der Prämie dagegen für angemessen.
«Die Abwrackprämie wird voraussichtlich dazu beitragen, die privaten Neuwagenkäufe zu stabilisieren», sagte Fuß. «Wie sich allerdings die zweite Säule des Pkw-Marktes - die gewerblichen Pkw- Käufe - entwickeln, steht auf einem anderen Blatt.» Besonders für die drei deutschen Premiumhersteller Daimler, BMW und Audi ist das Flottengeschäft wichtig.
Den deutschen Herstellern liegen zwar noch keine Zahlen vor, einige sehen aber bereits eine Belebung der Nachfrage. Eine VW- Sprecherin sagte, nach dem ersten Eindruck sei die Prämie durchaus positiv zu beurteilen. Offensichtlich gelinge es, mehr Interessenten in die Autohäuser zu führen. Ein Opel-Sprecher sagte in Rüsselsheim: «Die ersten Reaktionen aus dem Handel sind sehr positiv.»
Die Premiumhersteller äußerten sich eher zurückhaltend. Ein BMW- Sprecher sagte, die Volumen-Hersteller könnten von der Förderung etwas mehr profitieren. Zwar sei nicht auszuschließen, dass auch BMW positive Effekte durch die Abwrackprämie spüre. «Für unser Segment ist aber noch relevanter die CO2-basierte Kfz-Steuer.» Konkurrent Daimler wollte sich nicht zu dem Thema äußern.
Die Prämie wirke «wie eine Initialzündung für Autokäufer», sagte der BVfK-Vorsitzende Ansgar Klein der «Bild»-Zeitung. So sei die Zahl der Verkäufe in den vergangenen Tagen «spürbar gestiegen». Eine Gesamtzahl konnte aber auch er noch nicht nennen. Auch VDA-Präsident Matthias Wissmann hatte das geplante Konjunkturpaket der Bundesregierung gelobt. Insbesondere die staatliche Unterstützung der Autobranche über die Kfz-Steuer und die Abwrackprämie zeige bereits Wirkung.
In Deutschland waren 2008 mit 3,09 Millionen Autos 1,8 Prozent weniger neu zugelassen worden als im Vorjahr. Im November war der Automarkt laut Kraftfahrt-Bundesamt um fast 18 Prozent eingebrochen.