Aachen - Eine friedliche Lösung in Afghanistan ist nach Experten-Ansicht nur mit den Taliban möglich.
«Die Taliban haben Macht über 70 bis 80 Prozent des Landes. Wenn die NATO nicht gewinnen kann, muss sie verhandeln. Den Gegner kann man sich nicht aussuchen», sagte der Afghanistan-Experte der Organisation «Kooperation für den Frieden», Otmar Steinbicker, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Aachen. Den bei der Afghanistan-Konferenz in London angekündigten Fonds zur Eingliederung gemäßigter Taliban-Kämpfer bezeichnete er als «groben Unfug».
Die Führungselite des Landes, die «Friedens-Jirga», stütze die Forderung nach Verhandlungen mit den Taliban. In diesem Sinne hätten die Kooperation, der über 50 Friedensorganisationen in Deutschland angehören, und die «Friedens-Jirga» schon im September 2008 einen gemeinsamen Friedensplan veröffentlicht. «Wenn man Gespräche führt, wäre ein Waffenstillstand sinnvoll», sagte Steinbicker. Das wäre eine erste vertrauensbildende Maßnahme. Sie könnte nach seiner Einschätzung in Kundus beginnen und sukzessive ausgedehnt werden.
Steinbicker sprach sich gegen die geplante Aufstockung der ausländischen Truppen in Afghanistan aus. «Die Truppen tragen nicht zur Lösung des Konflikts bei», stellte er fest. Das «westliche Afghanistan-Engagement» sei nach acht Jahren ein «Scheitern auf ganzer Linie». Der in London geplante Fonds zur Wiedereingliederung mache keinen Sinn. «Wenn die Menschen das Geld ausgegeben haben, gehen sie zurück zu den Taliban», sagte Steinbicker. Sie brauchten das Geld und hätten sonst keine Verdienstmöglichkeiten. Sinnvoller sei es, mit dem Geld aus dem geplanten Fonds Arbeitsplätze zu schaffen.
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