Die Story: Die 43-jährige, alleinerziehende Mutter Matty lebt in einer Warteschleife: Sie hofft, dass ihr Ehemann, der sie mitsamt ihrer drei Kinder vor einem halben Jahr wegen einer blutjungen Studentin sitzen ließ, eines Tages zu ihr zurückkehren wird. Mitten in diese Lethargie hinein knallt der 29-jährige Lkw-Fahrer Johnny - ein tätowierter, langhaariger Prolo-Prinz, der Matty ins Leben zurückküsst...
Die Schauspieler: Mit ihrer entwaffnend ehrlichen und ungeschminkten Darstellung legt Barbara Sarafian die seelischen Narben, Ängste und Hoffnungen der Hauptfigur offen. Ihre ruppige, resolute Matty ist desillusioniert, doch noch immer voller Saft und Leidenschaft: eine hinreißende Heldin des Alltags, aber weiß Gott keine Heilige - zum Glück! Der flämische Theatermime Jurgen Delnaet startet als von Italien, Freiheit und Abenteuer träumender Asphalt-Cowboy Johnny eine beeindruckende Charme-Offensive, lässt aber auch die dunklen Seiten seiner Figur erahnen.
Der Regisseur: Mit diesem bezaubernd lebensechten Regiedebüt ist Christophe van Rompaey so etwas wie die belgische Schwester von "Sommer vorm Balkon" geglückt. Er konzentriert sich ganz auf seine grandiosen Schauspieler und gibt ihnen den Raum, ihren von Schicksalsschlägen gebeutelten und verbeulten Figuren Leben einzuhauchen. Unaufdringlich nähert er sich ihnen mit der Kamera, sodass man als Zuschauer fast meint, man würde selbst mit ihnen am Esstisch sitzen. Bei dieser bewundernswerten, fein zwischen Komik und Tragik ausbalancierten Gratwanderung gleitet er weder in Sozialdrama-Tristesse noch in Romantik-Kitsch ab. Alle Beteiligen, vom Drehbuchautor bis zu den Hauptdarstellern, haben ihre Wurzeln in Gent und beherrschen den dortigen Dialekt, was dem Film zusätzliche Authentizität verleiht. Doch die Geschichte könnte überall passieren - kein Wunder, dass sich der Film weltweit auf diversen Festivals zum Publikumsliebling entwickelt hat.
Fazit: Herzerfrischende Figuren, witzige Dialoge, fabelhafte Darsteller - ein unwiderstehliches Vergnügen!