In der Stadt, die er liebt, in der er lebt und in der er 1996 seine sagenhafte Profi-Karriere begann. In der MOPO lässt der Box-Held die zwölf Jahre in Hamburg Revue passieren.
Mein erster Besuch in Hamburg: Das war im August 1996, damals war ich 20. Unser späterer Promoter Klaus-Peter Kohl hatte meinen Bruder Vitali und mich zum Kampf von Dariusz Michalczewski gegen Graciano Rocchigiani am Millerntor eingeladen. Vorher haben wir eine Bootstour durch die Speicherstadt gemacht. Es war ein sonniger Tag. Ich war begeistert.
Das Wiedersehen: Das war im November. Ich bin aus der Ukraine nach Hamburg gezogen, denn Vitali und ich hatten uns trotz anderer Angebote entschieden, zu dem Hamburger Boxstall zu wechseln. Das Wetter war furchtbar. Kalt und regnerisch. Ich wollte gleich wieder weg.
Mein erstes Box-Training: Unser neuer Trainer Fritz Sdunek hat uns zur Begrüßung erst mal angeschrien. Er war wütend auf uns, weil wir unpünktlich waren. Training war um 16 Uhr, und wir kamen um 17.30 Uhr ins Gym in Wandsbek. Fritz hat uns schnell die deutsche Tugend Pünktlichkeit beigebracht. Es war eine Superzeit im Gym.
Die erste Wohnung: Ich habe mit Vitali in einer kleinen Mietwohnung in der Nähe des Gyms gewohnt. Aber auch das Gym war ein Zuhause. Da gab es täglich Frühstück, und die Wäsche wurde für uns gewaschen. Das Hausmeister-Ehepaar Moni und Dieter hat viel für uns getan. Sie sind gute Seelen.
Mein erster Profi-Kampf: Das war am 16. November 1996 in der Wandsbeker Sporthalle - vor 600 Zuschauern (K.o.-Sieg in Runde eins gegen Fabian Meza, d. Red.). Am Sonnabend werden 14000 in der Color Line Arena sein. Das hätte ich damals nie zu träumen gewagt.
Mein schwieriger Start: Ich fühlte mich anfangs wie abgeschnitten von der Welt, von allem. Das lag an der Sprachbarriere. Ich habe nichts verstanden, auch im Fernsehen oder Radio wusste ich nie, worum es ging. Das war frustrierend. Ich habe mich total unwohl gefühlt. Deswegen habe ich schnell die Sprache gelernt, habe mit deutschen Zeitungen geübt. Natürlich habe ich auch immer die MOPO gelesen! Über die Sprache haben sich erste Bekanntschaften und später Freundschaften entwickelt.
Meine Entdeckungstouren: Ich wollte die Stadt kennen lernen, also habe ich alles erkundet. Ich war überall, natürlich auch auf dem Kiez. Dort haben Vitali und ich überall die Nase reingesteckt, auch die berühmte Herbertstraße haben wir uns angeschaut. Ich bin viel ausgegangen, habe das Nachtleben mitgemacht, ich war schließlich jung. Wenn ich heute durch Hamburg fahre, erzählt fast jede Straße eine Geschichte von mir. Und ich entdecke immer wieder neue Dinge.
Was ich an Hamburg mag: Hamburg ist eine sehr schöne Stadt. Es ist die Stadt mit den meisten Brücken in Europa. Es ist das Tor zur Welt. Wenn ich mit Freunden in einem Lokal an der Elbe in der Sonne sitze, kann es passieren, dass es plötzlich dunkel wird, weil ein riesiges Schiff in den Hafen fährt. Das ist schon spektakulär. In der Alster kann man sogar schwimmen. Und das Wetter wird auch immer besser - durch den Klimawandel ...
Mein Lieblingsplatz: Die Stadt hat viele sehr schöne Ecken, aber mein persönlicher Lieblingsplatz ist definitiv der Grieche "Minas" in Wandsbek. In der Anfangszeit in Hamburg habe ich dort täglich zwei Mal gegessen. Da fühle ich mich zu Hause.
Meine Zukunft in Hamburg: Ich habe in all den Jahren Wurzeln geschlagen, habe hier viele Freunde und auch meine Firma. Ich fühle mich nicht als Ausländer, sondern als Hamburger. Vor Kurzem habe ich ein Haus gekauft. Hamburg ist mein Wohnsitz - und wird es bleiben.