Plateausohlen, schwarze Mähnen und ganz viel Schminke: Seit über 35 Jahren ist Kiss eine Institution des harten Glamrock! Das hat das US-Quartett in erster Linie seinen atemberaubenden Liveshows zu verdanken, bei denen Fans von Pyrotechnik und Splatter-Blut voll auf ihre Kosten kommen. Am Montag kommen die Schockrocker mit ihrer "Sonic Boom Tour 2010" in die O2-World. Im MOPO-Interview lassen Sänger Paul Stanley, Bassist Gene Simmons, Gitarrist Tommy Thayer und Schlagzeuger Eric Singer die Masken runter und verraten, wieso es Kiss auch noch in 100 Jahren geben wird und warum Gene Simmons spuckt - und nicht schluckt.
MOPO: Meine Herren, was erwartet uns in der neuen Show?
Gene Simmons: Im Detail wollen wir das nicht verraten, um die Überraschung nicht zu verderben. Aber es gibt diesmal mehr Pyrotechnik, Licht und Spezialeffekte als jemals zuvor. Das ist etwas, worauf wir sehr stolz sind. Wir haben so viel mehr Geld in die Show investiert; in neue Technik, um das KISS-Erlebnis noch besser zu machen. Es wird das "Avatar" unter den Konzerten.
Paul Stanley: Und wir werden uns dafür blau anmalen (lacht). Jedenfalls geht es um die Geschichte der Band, wir spielen Stücke vom ersten Album vor 35 Jahren bis zum aktuellen Album "Sonic Boom".
MOPO: Mr. Simmons, wie viel Kunstblut haben Sie in Ihrem Leben schon verschluckt?
Simmons: Ich schlucke nicht (lacht dreckig)!
MOPO: Fühlen Sie sich manchmal zu alt fürs Hardrock-Geschäft?
Eric Singer: Bei den Stones hätte auch keiner gedacht, dass sie heute noch touren. Die Grundidee des Rock'n'Roll ist Rebellion, dass es keine Regeln gibt außer der, den Geist des Rock'n'Roll am Leben zu erhalten. Und genau das tun wir.
Stanley: Wir sind auf der Höhe der Zeit, waren nie besser - und unsere Fans wissen das auch!
MOPO: Welche Rolle spielt dabei körperliche Fitness?
Stanley: Niemand will einen Haufen fettleibiger Typen in Strumpfhosen sehen - es sei denn, du gehst zu Meat Loaf. Wenn die Leute zu uns kommen, erwarten sie etwas Zeitloses, das heute genauso aussieht wie vor 35 Jahren.
MOPO: Bei ihrem letzten Konzert in Hamburg spielten Mitglieder der Scorpions im Publikum Luftgitarre. Besteht da noch Kontakt?
Tommy Thayer: Die Scorpions sind nach der Show noch mit uns ins Hotel gefahren. Wir wollten sehen, wie sie die Pyramide machen, die es immer am Ende ihrer Shows gibt. Sie machten die Pyramide direkt vor unseren Augen! Und sie brachten uns dazu, das auch zu tun. Ein Riesenspaß!
Stanley: Wir haben sie 1975 mit auf Tour genommen. Niemand von ihnen sprach damals viel Englisch. Wir sind immer noch gute Freunde. Sie sind das Beste, was Deutschland musikalisch hervorgebracht hat. Ihr müsst sie euch alle noch mal anschauen - sie sind Kult!
MOPO: Mr. Stanley, Sie haben einmal gesagt, Kiss könne bis in alle Ewigkeit bestehen - solange man nur immer die Bandmitglieder austauscht. Ist Kiss ein Franchise-Unternehmen?
Stanley: Kiss ist nun mal eine weltweite Marke, die einzige Rock'n'Roll-Marke derzeit. Franchise ist aber das falsche Wort. Weil darin Herz und Seele fehlen. Wir sind ein Konzept für das Publikum, dem du nie genug geben kannst. Du musst die größte Show bieten. Und du musst dankbar sein dafür, was das Publikum dir gibt. Dafür braucht es aber nicht zwingend mich, Tommy, Eric oder Gene. Es braucht vier Leute, die an das Konzept glauben.
MOPO: Also könnte es Kiss, anders besetzt, auch noch in 100 Jahren geben?
Stanley: Absolut! Kiss ist eine Ikone, Kiss wird immer bleiben!
MOPO: Könnten Tokio Hotel ihr Erbe antreten?
Simmons: Tokio Hotel haben ein tolles Image, und ihre Musik ist echt gut gemacht. Wir mögen sie, aber der Name ist absolut bekloppt für eine deutsche Band!
DAS INTERVIEW FÜHRTE KATJA SCHWEMMERS
O2-World: 31.5., 20 Uhr, 62-74 Euro
Die MOPO verlost 2 x 2 Karten. Mailen Sie bis 15 Uhr an gewinn@mopo.de, Betreff: "Kiss".