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Papstbrief zum Missbrauch wird veröffentlicht

Rom/Hamburg - Der Vatikan veröffentlicht heute den mit Spannung erwarteten Papstbrief zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Benedikt XVI. dürfte darin vor allem mehr Transparenz bei der Aufarbeitung sowie Vorbeugung neuer Missbrauchsfälle verlangen.

Der Brief, den der Papst am Freitag unterschrieben hat, wendet sich vor allem an die irische Kirche wegen der dortigen Missbrauchsfälle. Vor dem Hintergrund immer neuer ans Licht kommender Missbrauchsfälle und Vorwürfe gegen kirchliche Würdenträger in Deutschland sind die Erwartungen an das Schreiben auch im Heimatland des Papstes hoch.

In Rom hieß es, der Papst wolle klare Wege aufzeigen, wie Pädophilie in der Kirche verhindert werden soll. Bereits im Februar hatte Benedikt bei einem Krisengipfel mit der irischen Bischofskonferenz «null Toleranz», Aufarbeitung und Vorbeugung von Missbrauch gefordert. Der im Dezember angekündigte Brief auf Italienisch und Englisch verzögerte sich offenbar wegen der jüngsten Skandalwelle auch in anderen europäischen Ländern. Der Vatikan will am Samstag auch kurze Zusammenfassungen in anderen Sprachen veröffentlichen.

Vertuschungsvorwürfe gegen Zollitsch - Dementi

Am Freitag waren auch gegen den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, Vertuschungsvorwürfe erhoben worden. Während seiner Tätigkeit als Personalreferent in der Erzdiözese Freiburg soll er nach Recherchen der TV-Sendung «Report Mainz» und der «Badischen Zeitung» 1991 einen des Missbrauchs bezichtigten Pfarrer lediglich in den vorzeitigen Ruhestand versetzt haben. Die Staatsanwaltschaft sei damals nicht eingeschaltet worden. Ein Sprecher des Bistums Freiburg erklärte, der gegen den Freiburger Erzbischof erhobene Vorwurf der Vertuschung sei «unhaltbar». Der Ortspfarrer sei 1991 in den Ruhestand versetzt worden, obwohl es lediglich Gerüchte über «unsittlichen Kontakt zu Kindern» gegeben habe und dieser Verdacht zunächst nicht konkretisiert werden konnte.

ZDK-Präsident fordert Umdenken

Der Vorsitzende des Zentralkomitees deutscher Katholiken (ZdK), Alois Glück, forderte ein Umdenken der Kirche. Man müsse sich die Frage stellen, ob es neben den für die ganze Gesellschaft geltenden Gründen für sexuellen Missbrauch auch spezifische in der Institution Kirche selbst gebe, sagte er in einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview der Zeitschrift «Super Illu». «Zum Beispiel waren bislang zu viele Leute in der Kirche der Überzeugung, dass der Grundsatz gilt: Der Schutz der Kirche hat oberste Priorität.» Damit sei der Weg frei für Verdrängung und Vertuschung gewesen, erklärt Glück.

Bischofskonferenz verschärft Leitlinien

Die von den bayerischen Bischöfen am Donnerstag beschlossene Meldepflicht gilt voraussichtlich künftig in allen deutschen Bistümern. Dann muss jeder Verdacht auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger der Staatsanwaltschaft angezeigt werden. Die bisher geltenden Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) verpflichten die Kirche nur bei einem erhärteten Verdacht und bei nicht-verjährten Fällen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Außerdem kann die Kirche bisher auf eine Anzeige verzichten, wenn die Opfer das nicht wollen. DBK-Sprecher Matthias Kopp sagte dazu in Bonn: «Die Ergebnisse der Freisinger Bischofskonferenz werden in die Überarbeitung der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz einfließen.»

Psychotherapeut erhebt schwere Vorwürfe gegen Kirche

Im Skandal um sexuellen Missbrauch im Münchner Erzbistum hat der Psychotherapeut Werner Huth schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche erhoben. Mehrmals habe er die Bistumsleitung davor gewarnt, einen aus Essen nach München versetzten pädophilen Pater in der Jugendarbeit einzusetzen, sagte Huth dem «Tagesspiegel» (Samstag). Auch in der Amtszeit von Joseph Ratzinger - dem heutigen Papst Benedikt XVI. - als Münchner Erzbischof von 1977 bis 1981 habe er seine Bedenken leitenden Geistlichen vorgetragen, darunter auch einem Weihbischof, sagte der Psychotherapeut. Die Warnungen seien ignoriert worden. Der heute 80-jährige Huth hat als Psychiater und Psychotherapeut unter anderem sexuelle Störungen behandelt und war lange Berater für die katholische und die evangelische Kirche.

Don-Bosco-Orden: 18 Klagen über Missbrauch

Beim katholischen Orden der Salesianer Don Boscos haben sich bislang 18 Menschen wegen sexueller Übergriffe von Ordensangehörigen oder Mitarbeitern gemeldet. Einen entsprechenden Bericht der «Rhein-Zeitung» (Samstag) bestätigte der Orden am Freitagabend. In 20 anderen Fällen hätten Betroffene körperliche Misshandlung in Einrichtungen des Ordens beklagt. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit zwischen 1950 und 1990.

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Datum:  20.3.2010
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