Nur teuer ist gut! Diesem Irrglauben erlag Paramount Pictures, als das Studio vor zwei Jahren entschied, für viel Geld ein Remake des Low-Budget-Gruselfilms "Paranormal Activity" zu produzieren, anstatt einfach das für knapp 15000 Dollar entstandene Original in die Kinos zu bringen. Zum Glück intervenierte Debütregisseur Oren Peli und verlangte, dass seine Fassung zumindest ein Mal öffentlich vorgeführt werde. Die positiven Reaktionen des verängstigten Publikums veranlassten das Studio zum Umdenken. Nach einer geschickt lancierten Marketingkampagne schlug die Geistermär an den Kinokassen ein wie eine Bombe und mauserte sich mit einem US-Einspielergebnis von bisher mehr als 100 Millionen Dollar zu einem der profitabelsten Filme aller Zeiten.
Die Freude über ihr neues Domizil in einem Vorort von San Diego ist für Katie und Micah nur von kurzer Dauer. Unheimliche Geräusche stören die Nachtruhe des jungen Paares. Um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, installiert Micah eine Videokamera im Schlafzimmer. Und tatsächlich offenbaren die Aufnahmen am nächsten Morgen, dass des Nachts nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Ein hinzugezogener Parapsychologe mutmaßt, dass Katie von einem Dämon heimgesucht wird. Den professionellen Rat, bloß nicht in Kontakt mit der bösartigen Erscheinung zu treten, schießt Micah jedoch in den Wind, als er ein Ouija-Brett auf dem Wohnzimmertisch liegen lässt. Von da an erreicht der allnächtliche Terror immer schrecklichere Ausmaße ...
Statt eines fertigen Scripts gab es zu Beginn der Dreharbeiten nur einen ungefähren Plan, wohin die Reise gehen soll. Gemeinsam mit seinen Darstellern Katie Featherston und Micah Sloat improvisierte Oren Peli einen Großteil der Szenen, die nun eine ungewohnte Natürlichkeit ausstrahlen. Weil das Publikum zudem nur jene Aufnahmen zu Gesicht bekommt, die Micah mit seiner Kamera macht, entsteht - ähnlich wie beim "Blair Witch Project" - tatsächlich der Eindruck eines stinknormalen Heimvideos. Es ist diese Glaubhaftigkeit des Materials, die dem langsam in die Vorortidylle eindringenden Horror Tür und Tor öffnet.
Unerklärliche Geräusche, Fußspuren im ausgestreuten Mehl, eine sich von Geisterhand öffnende Tür und eine unsichtbare Gestalt, die sich plötzlich mit unter die Bettdecke kuschelt - diese wohlbekannten Gruseleffekte sind in "Paranormal Activity" gleich doppelt und dreifach effektiv, weil der Zuschauer eben nicht das Gefühl hat, lediglich einem weiteren 08/15-Schocker "Marke Hollywood" beizuwohnen. Und wenn sich das versammelte Publikum beim von Steven Spielberg angeregten Finale (die einzige Änderung der Kino- gegenüber der ursprünglichen Fassung) in seinen Sitzen festkrallt, wird mit einem Mal deutlich, wie dieser auf den ersten Blick so unscheinbare Film zur Überraschungssensation des Kinojahres avancieren konnte.
Fazit: Minimalistisches, aber deshalb nicht minder schockierendes Schauerstück.
Note: 2
99 Minuten, ab 16 Jahren