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Kino-Neustart

UP IN THE AIR mit George Clooney

Er ist der König der Bonusmeilen: 322 Tage hat Unternehmensberater Ryan Bingham vergangenes Jahr in der Luft verbracht. Er führt ein geschmeidiges Leben in Flugzeugen, Flughäfen und Flughafenhotels - zwischen Laufbändern, Leihautos und Luxus-Lounges. Sein eigenes Apartment ist steriler und kärglicher eingerichtet als ein Hotelzimmer. Begriffe wie Zuhause, Liebe oder Familie gehören nicht zum aktiven Wortschatz des überzeugten Singles. In der toughen Businessfrau Alex findet er eine Seelenverwandte: Sie ist ebenso auf der Suche nach unverbindlichen erotischen Abenteuern, kann sich wie er an Statussymbolen aufgeilen - und hat die nötigen Eier, um ihm Paroli zu bieten.



Rastlos reist Ryan in heikler Mission quer durchs Land: Er entlässt Leute, wenn Firmen sich gesundschrumpfen. Eiskalt und einfühlsam zugleich erzählt er den gefeuerten Angestellten, eine Freistellung biete doch stets neue Perspektiven. Unsanft landet er selbst allerdings auf dem Boden der Tatsachen, als man ihm die blutjunge, ehrgeizige Rationalisierungs-Expertin Natalie vor die Nase setzt: Ihre Umstrukturierungspläne machen Ryans Reisen überflüssig. Vollends verliert er den Boden unter den Füßen, als ihm durch seine Treffen mit Alex langsam dämmert, dass man vielleicht doch besser mit einem Co-Piloten an seiner Seite durchs Leben steuern sollte ...



Die Rolle des beziehungsscheuen, abgehobenen Vielfliegers scheint dem smarten George Clooney auf den attraktiven Leib geschneidert. Faszinierend, wie souverän er sie mit subtilen Nuancen und ironischen Brechungen ausfüllt - und uns dabei immer wieder hinter die Fassade seines Espresso-Lächelns blicken lässt: eine fantastische Leistung, die zu Recht mit einer Oscarnominierung belohnt wurde. Vera Farmiga ("Departed") als geistreiche, geheimnisvolle Geschäftsfrau Alex und Anna Kendrick ("Biss zur Mittagsstunde") als dickköpfige, tollpatschige Uni-Absolventin Natalie, beide ebenfalls oscarnominiert, stehen ihm in nichts nach.



Autor und Regisseur Jason Reitman ("Thank You For Smoking", "Juno"), der Spezialist für intelligente Komödien, hat für "Up In The Air" den gleichnamigen Bestseller von Walter Kirn um mehrere Dimensionen erweitert - er hat neue Hauptfiguren und Handlungsstränge erfunden, messerscharfe Dialog-Duelle geschrieben und auf die Massenentlassungen im Zuge der Wirtschaftskrise reagiert. Das macht sein Drehbuch zum heißen Oscarfavoriten, denn damit ist ihm der rechte Film zur rechten Zeit geglückt: eine spritzige, schwerelose Tragikomödie über ein schweres Thema. Die von Ryan entlassenen Angestellten hat Reitman großteils mit Laien besetzt, die selbst gerade ihren Job verloren hatten - sie sorgen für erschütternd authentische Szenen.



Ansonsten darf viel gelacht werden in diesem filmischen Überflieger. Reitman hat die hintersinnige, tiefgründige Geschichte mit einem sorgfältig ausgewählten Soundtrack garniert und voller Humor in Szene gesetzt: Ryans perfekt durchorganisiertes Leben aus dem Koffer, sein blitzschnelles Einpacken und Einchecken, seine eleganten Auftritte bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen - all das hat Reitman beispielsweise virtuos choreografiert und geschnitten wie eine Art Business-Class-Ballett. Das Erstaunlichste ist jedoch der völlig unkitschige, unamerikanische, überraschende Schluss, der noch lange nachwirkt - und uns übers eigene Leben sinnieren lässt. Großartig!

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Datum:  4.2.2010
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