Das Thema: Die sechsköpfige Familie Akkouch lebt im Berliner Problembezirk Neukölln. Während der 18-jährige Hassan und die 19 Jahre alte Lial eine Aufenthaltsgenehmigung besitzen, sind ihre Mutter und die drei jüngeren Geschwister lediglich geduldet. Wie prekär dieser Status ist, wurde den Akkouchs 2003 klar. Da verfrachtete man sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in den Libanon, aus dem sie einst wegen des Bürgerkriegs geflohen waren - ein traumatisches Erlebnis vor allem für die alleinerziehende Mutter und den heute 14-jährigen Maradona. Zwar gelang ihnen bald die Wiedereinreise nach Deutschland, aber seitdem lastet die Angst vor Abschiebung schwer auf der Familie.
Die Regisseure: Agostino Imondi und Dietmar Ratsch begleiteten die Akkouchs ein Jahr lang. Im Mittelpunkt ihrer Doku stehen der Abiturient Hassan, der es mit seinem Rap- und Tanztalent bereits weit gebracht hat, die selbstbewusste Lial, die in einer Band spielt und eine Ausbildung bei einem Box-Promoter macht, und Maradona, ein begnadeter Breakdancer, der mit Schulproblemen und Proll-Kid-Allüren zum Sorgenkind der Familie wird. Der Film zeigt die drei in ihrem Alltag sowie bei ihren Auftritten und thematisiert Hassans und Lials Bemühungen, so viel Geld zu verdienen, dass auch die übrigen Akkouchs eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Die Erfahrungen mit der Abschiebung werden mit comicartigen Animationssequenzen visualisiert und entwickeln große emotionale Kraft. Jenseits von Klischees entsteht so allmählich ein lebendiges Bild einer integrationsbereiten Migrantenfamilie. Dabei wirkt die Entschlossenheit der Jugendlichen, aus ihrem Leben etwas zu machen, geradezu ansteckend - was sicher mitdaran liegt, dass hier viel gerappt und getanzt wird. Dadurch erhält der Film zudem eine ungeheure Dynamik. Den Gläsernen Berlinale-Bären in der Sektion Generation 14plus gab's nicht von ungefähr.
Fazit: Ungewöhnlich mitreißende Doku, die dazu beitragen kann, Vorurteile abzubauen.
D, 96 Min., o. A., Zeise