Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan in einer ungewohnten Rolle: Anders als in seinen üblichen Schmonzetten darf der Leinwand-Liebling diesmal weder weinen noch tanzen noch sein komödiantisches Talent ausspielen. Denn in 'My Name is Khan' verkörpert er einen scheuen, unbeholfenen, in San Francisco lebenden Inder, der am Asperger-Syndrom leidet, einer leichten Form des Autismus: Er ist unfähig zu lügen, nimmt alles wörtlich, versteht keine Ironie, kann seine Gefühle nicht äußern und sich nicht hineinversetzen in das, was andere denken oder empfinden.
Trotz seines irritierenden Auftretens und gegen alle religiösen Widerstände schafft es dieser muslimische Einwanderer namens Rizvan Khan, das Herz der alleinerziehenden Hindu-Frau Mandira zu erobern. Doch die Terroranschläge vom 11. September 2001 zerstören das Familienglück: Als ihr kleiner Sohn bei einem rassistischen Übergriff getötet wird, treibt die von Schmerz gequälte Mandira in einem Wutanfall Rizvan dazu, quer durch Amerika zu reisen, um dem US-Präsidenten persönlich zu erklären, dass er kein Terrorist sei. Auf seiner Odyssee wird Rizvan verhaftet und in Verhören misshandelt, was den herzensguten Mann aber nicht davon abhält, den Opfern des Hurrikans 'Katrina' zu helfen und einem islamistischen Hassprediger das Handwerk zu legen.
Pikanterweise wurde Shah Rukh Khan, selbst ein mit einer Hindu verheirateter Moslem, im August 2009 bei seiner Einreise in die USA am Flughafen wegen seines verdächtigen Namens festgenommen und stundenlang verhört. Ob das seine Darstellung der Titelfigur inspiriert hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls hat er sich auf überzeugende Weise eine bizarre Motorik und einen stur nach unten gerichteten Blick angeeignet - er setzt Rizvans Asperger-Behinderung würdevoll um, ohne je in eine Karikatur abzugleiten. Seine langjährige Leinwand-Partnerin Kajol ('Fanaa') steht ihm an Charisma in nichts nach: Mit bezaubernder Natürlichkeit und der ihr eigenen emotionalen Wucht spielt sie Rizvans Ehefrau Mandira.
Co-Autor und Regisseur Karan Johar ('Sometimes Happy, Sometimes Sad') hat lange recherchiert, wie Moslems in den USA nach den Anschlägen auf das World Trade Center angefeindet, schikaniert und mit brutaler Gewalt konfrontiert wurden. Er hat seine Geschichte in exquisite Bilder getaucht und mit Humor gewürzt - und auf die in Bollywood üblichen Tanzeinlagen verzichtet. Vor allem erweist er sich einmal mehr als Meister des Melodrams mit Mut zu ganz großen Gefühlen: Kaum einer drückt so gekonnt und so stilvoll auf die Tränendrüse wie er. Wer sich darauf einlässt, wird unweigerlich mitgerissen von diesem Strom der Emotionen.
Und welcher westliche Filmemacher würde sich trauen, ein antirassistisches Plädoyer aus muslimischer Sicht mit einer herzzerreißenden Liebesromanze, einer 'Forrest Gump'-Reise und einem Behindertendrama á la 'Rain Man' zu kombinieren? Dieser hemmungslos durchgeknallte Mindestens-vier-Filme-in-einem-Mix ist das Kino-Pendant zu einer 'Jumbo-Pizza mit allem', bei dem einem immer wieder vor lauter Staunen die Spucke wegbleibt.
Fazit: Mehr Kino geht nicht in zwei Stunden. Wen diese spektakuläre, ergreifende Melodram-Mischung kaltlässt, der sollte sich schleunigst ein neues Herz besorgen.
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IND/USA, 128 Minuten, ab 12 Jahren, Abaton, Cinemaxx Dammtor, Passage
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Filmtitel:
My Name Is Khan
Kinos:
Abaton, Cinemaxx Dammtor, Passage
Schauspieler:
Shah Rukh Khan
Filmlaenge:
128 Minuten
Note:
5/5
Regisseur:
Karan Johar
Fazit:
Mehr Kino geht nicht in zwei Stunden. Wen diese spektakuläre, ergreifende Melodram-Mischung kaltlässt, der sollte sich schleunigst ein neues Herz besorgen.
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BU: Rizvan versucht, die verzweifelte Mandira zu trösten.
BU: Beschwerliche Reise: Rizvan auf seinem Weg quer durch das Land
BU: ´
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