Die Story: Im Jahr 2092 hat die Menschheit den Tod besiegt. Der 118-jährige Nemo Nobody ist der letzte Sterbliche auf Erden. Unter Hypnose und bedrängt von einem Reporter blickt er auf sein Leben zurück - allerdings nicht, wie es verlaufen ist, sondern wie es hätte verlaufen können. In der Schlüsselszene sieht man ihn als Achtjährigen, der sich nach der Trennung seiner Eltern entscheiden soll, ob er beim Vater bleibt oder mit der Mutter weggeht. Je nachdem, wie seine Entscheidung ausfällt, käme er vielleicht mit der ruhigen Anna zusammen, mit der ihn eine immerwährende gegenseitige Liebe verbinden würde. Oder mit der depressiven Elise, die ihn nicht so lieben würde wie er sie. Eventuell aber auch mit der perfekten Jeanne, die ihn mehr lieben würde als er sie.
Die Schauspieler: In der Hauptrolle zeigt sich Jared Leto ('Requiem for a Dream'), der Mr. Nobody als jungen Mann wie auch als Greis verkörpert, ausgesprochen wandlungsfähig. Diane Kruger (Anna), Sarah Polley (Elise) und Linh-Dan Pham (Jeanne) spielen ganz unterschiedliche Frauentypen - jede von ihnen überzeugend.
Der Regisseur: 'Was wäre, wenn...?' Eine solche Frage hat sich wohl schon jeder mindestens einmal mit Blick auf sein Leben gestellt. Ganz im Sinne dieser Frage lässt Jaco Van Dormael ('Toto, der Held', 'Am achten Tag') in seinem Film, an dessen Drehbuch er sieben Jahre herumwerkelte, das Leben seines Titelhelden in etlichen Varianten vor unseren Augen ablaufen. Dabei spielt der Regisseur gekonnt mit den alternativen Realitäten, deren Entwicklung nicht selten stark vom Zufall beeinflusst wird. Mitunter gönnt er sich auch kleine Exkurse, demonstriert etwa anschaulich den Schmetterlingseffekt oder zeigt, was im Körper biochemisch abläuft, wenn man sich verliebt. Van Dormaels Ideen-Wildwuchs zu folgen, erfordert vom Zuschauer höchste Konzentration. Aber die wird mit einem bewegenden und visuell außergewöhnlichen Kinoerlebnis belohnt.
Fazit: Fantastischer Trip ins Reich des Möglichen.
F/D/CDN/B, 138 Minuten, ab 12 J., Holi