Die Story: In einem südkoreanischen Provinznest ist eine Schülerin ermordet worden. Der Tat verdächtigt wird der 27-jährige, geistig etwas zurückgebliebene Yoon Do-jun. Obwohl der junge Mann sich nicht an die Tat erinnern kann, unterschreibt er - von den nur äußerst oberflächlich ermittelnden Polizeibeamten bedrängt - ein Schuldgeständnis. Um Do-jun vor dem Zuchthaus zu bewahren, beschließt seine Mutter, eine Heilpraktikerin, die es mit den Vorschriften nicht so genau nimmt, auf eigene Faust zu ermitteln. Und tatsächlich: Anders als dem arroganten Pflichtverteidiger ihres Sohnes gelingt es ihr mit ihrer Unerschrockenheit, Indizien zutage zu fördern, die dem alles andere als eindeutigen Fall eine völlig neue Wendung geben.
Die Schauspieler: Die 67-jährige Kim Hye-ja, die den Film mit ihrem souveränen Spiel in weiten Teilen trägt, ist in Südkorea durch die erfolgreiche TV-Serie „The Rusty Diary“ zu einer Art Mutter der Nation geworden. Dieser Status dürfte nicht unwesentlich zur Akzeptanz ihrer hier längst nicht nur mit legalen Mitteln operierenden Figur beigetragen haben. Ebenso überzeugend verkörpert Won Bin den naiven Sohn, der noch als Erwachsener bei seiner Mutter lebt.
Der Regisseur: Spätestens mit dem weltweit erfolgreichen Monsterstreifen „The Host“ ist Bong Joon-ho vor vier Jahren zu einem der namhaften Regisseure Asiens avanciert. Mit seinem neuen, insgesamt vierten Langfilm schließt er in vielerlei Hinsicht an seinen 2003 gedrehten Serienkiller-Thriller „Memories of Murder“ an. Ebenso subtil bricht er auch hier wieder mit eingefahrenen Genre-Konventionen und lässt den Zuschauer lange Zeit im Dunkeln tappen. Erst nach und nach offenbaren sich nicht nur die eigentlichen Motive, sondern auch die tiefen seelischen Abgründe der Figuren. Und ganz nebenbei führt Bong die zuweilen erschreckende Unzulänglichkeit staatlicher Institutionen vor.
Fazit: Ein meisterhafter Thriller aus Südkorea, der vom deutschen Verleih leider nur in digitalem Format ins Kino gebracht wird.