Die Story: Das Schicksal meint es nicht gut mit Bazil. 1979 stirbt sein Vater beim Versuch, eine Landmine zu entschärfen. Daraufhin muss seine Mutter in die Psychiatrie, er selbst ins Heim. Fast 30 Jahre später bekommt er eine verirrte Pistolenkugel in den Kopf. Der operierende Arzt ist ratlos:
"Hol ich die Kugel raus, wird er vielleicht zu Gemüse. Hol ich sie nicht raus, kann er jede Sekunde tot umfallen." Eine Münze entscheidet das Projektil bleibt drin. Als Bazil das Krankenhaus verlässt, hat er seinen Job als Videothekar und seine Wohnung verloren. Fortan schlägt er sich auf den Straßen von Paris mit kleinen Tricks durchs Leben und findet schließlich Unterschlupf bei einer Truppe kauziger Schrottsammler.
Eines Tages entdeckt Basil zufällig die beiden Zentralen der Waffenkonzerne, deren Produkte für sein Unglück verantwortlich sind. Mit Hilfe seiner neuen Freunde schmiedet er einen raffinierten Plan, um die beiden Firmenchefs gegeneinander auszuspielen.
Die Schauspieler: Hauptdarsteller Dany Boon ("Willkommen bei den Sch'tis") gibt den Unglücksraben als kindlichen Einfaltspinsel und wandelt mit sicherem komödiantischen Timing gelegentlich auf den Spuren Charlie Chaplins. Ebenso sympathisch schrullig wie Basil sind seine Mitstreiter:
Cassoulette (Yolande Moreau), Köchin und Mutter der Truppe, der Guillotine-Überlebende Canaille (Jean Pierre Marielle), die sensible Schlangenfrau Mademoiselle Kautschuk (Julie Ferrier), der farbige Sprichwort-Dokumentar Remington (Omar Sy), der Schrottskulpturen-Bastler Petit Pierre (Michel Cremades), die "lebende Kanonenkugel" Bricabrac (Dominique Pinon) und das Rechengenie Calculette (Marie Julie Baup). Die beiden zynischen Waffenkonzernbosse werden von André Dussolier und Nicolas Marie schön schräg fies gespielt.
Der Regisseur: Jean-Pierre Jeunet erschafft sich in seinen Filmen gern ein eigenes fantastisches Universum. Man denke nur an "Delicatessen" oder "Die fabelhafte Welt der Amélie". Bei "Micmacs" verhält es sich nicht anders; fast jede Szene ein Ausdruck der überbordenden Fantasie des Regisseurs. Und das keineswegs nur im visuellen Bereich.
Zusammen mit seinem Lieblings-Drehbuchpartner Guillaume Laurant erzählt Jeunet die märchenhafte Geschichte von Basil und den sieben Schrottsammlern mit großer Lust am wilden Fabulieren. Und mit einiger Freude am Filmzitat. So erweist der Regisseur etwa der Schlüsselszene aus Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" genial seine Reverenz. All das lässt einen den leichten Durchhänger im Mittelteil des Films gut verschmerzen.
Fazit: Herrlich überdrehte Pro-Abrüstungs-Groteske.
F, 104 Min., ab 12 J., Abaton, Holi, Zeise, Koralle