Die Story: Viele Kranke, die nach Lourdes pilgern, erhoffen sich dort Heilung oder wenigstens spirituelle Stärkung. Nicht so die wegen Multipler Sklerose an den Rollstuhl gefesselte Christine, die mit einer vom Malteserorden betreuten Gruppe angereist ist. Sie betrachtet den religiösen Rummel eher skeptisch und ist eigentlich nur in Lourdes, um mal rauszukommen und Menschen zu treffen. Umso erstaunter registriert sie, dass sie sich eines Morgens aus ihrem Rollstuhl erheben und - wenn auch noch unsicher - sogar wieder laufen kann. Plötzlich scheint ein neues Leben möglich. Aber ist hier tatsächlich ein Wunder passiert? Oder hat sich ihr Gesundheitszustand nur vorübergehend verbessert?
Die Hauptdarstellerin: Sylvie Testud ("Bonjour Sagan") erfreut mit präzisem Spiel und verkörpert Christine mit großer Zurückhaltung, selbst nach deren wundersamer Genesung.
Die Regisseurin und Autorin: Die Österreicherin Jessica Hausner, die mit "Hotel" zuletzt einen subtilen Horrorfilm gedreht hatte, wirft einen beinahe nüchtern dokumentarischen Blick auf das Treiben in Lourdes: etwa auf das penibel ausgetüftelte Pilgerprogramm von Christines Reisegruppe, die Rituale der Gläubigen und das Walten einer Ärztekommission, die vermeintliche Wunderheilungen untersucht, aber auch auf den profanen Handel mit Souvenirs. Ebenso aufschlussreich sind die vielfältigen Reaktionen auf die "Wiederauferstehung" der Protagonistin. Mancher Mitreisende fühlt sich in seinem Glauben bestätigt, andere wiederum zweifeln, empfinden Neid oder stellen infrage, ob Christine überhaupt eines Wunders würdig sei ("Warum gerade sie? Warum nicht der Herr Huby?"). Wer will, kann in Hausners Werk einiges an Ironie finden. Doch im Grunde bleibt die Haltung des Films zum titelgebenden Wallfahrtsort bis zum Ende wunderbar ambivalent.
Fazit: Vielschichtige Parabel über menschliche Hoffnungen, mit einer großartigen Sylvie Testud. Jörg Brandes
A/F/D, 99 Min., o. A., Holi, Koralle
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Filmtitel:
Lourdes
Kinos:
Holi, Koralle
Schauspieler:
Sylvie Testud
Filmlaenge:
99 Min.
Note:
4
Regisseur:
Jessica Hausner,