Die Story: Auf dem College haben die Freunde Ben und Andrew davon geträumt, so zu sein wie die beiden Aussteiger in Jack Kerouacs Roman „On the Road“. Doch nun, zehn Jahre später, hat Ben einen guten Job, ein Haus und Ehefrau Anna, mit der er eine Familie plant. Und Andrew? Der steht eines Nachts plötzlich bei Ben und Anna vor der Tür und nistet sich dort ein. Während Anna tags darauf daheim mit dem Abendessen wartet, lassen Ben und Andrew sich auf einer feuchtfröhlichen Party bei Bekannten auf einen einigermaßen mutigen Deal ein: Sie, zwei heterosexuelle Männer, werden vor der Kamera Sex miteinander haben und das Ergebnis beim „Humpfest“, einem Amateur/Kunstporno-Filmfestival präsentieren. Auch wenn die beiden ihr Vorhaben schon am nächsten Morgen bereuen, kommt Kneifen - zu erwartende Komplikationen mit Anna hin oder her - für sie nicht in Frage. Als aber im Hotelzimmer dann die Kamera läuft, zögern die bis dahin so furchtlosen Männer mit einem Mal doch ...
Die Schauspieler: Der 33-jährige Mark Duplass, der gemeinsam mit seinem Bruder Jay auch als Regisseur tätig ist („Cyrus“ startet bei uns im November), geht in der Rolle des Ben geradezu auf: Immer wieder zeigen sich auf seinem Gesicht all die inneren Konflikte, in die seine Figur sich selbst hineinmanövriert hat. Ebenso überzeugend ist das Spiel des ein wenig an Owen Wilson erinnernden Joshua Leonard in der Rolle des Andrew und von Alycia Delmore, die die nur auf den ersten Blick so brave Ehefrau gibt.
Der Regisseur: Waren es bisher eher männliche Schriftsteller und Filmemacher, die es verstanden haben, sich in die weibliche Psyche einzufühlen, so zeigt Lynn Shelton in ihrem dritten Spielfilm, dass für manche Regisseurinnen das Innenleben von Männern kein Buch mit sieben Siegeln ist. Mit großer Sensibilität spürt sie hier den vielen Fallstricken nach, in denen sich das pflegebedürftige männliche Ego immer wieder verfängt und aus denen es sich oft nur schwer wieder befreien kann. Und das bewerkstelligt Shelton mit einem sehr bescheidenen Budget.
Fazit: Es gibt sie noch, die schönen kleinen US-Independentfilme!