Die Story: Roger Greenberg, 40, gerade von einem Nervenzusammenbruch genesen, ist das, was man gemeinhin einen Loser nennt. Nun soll er in Los Angeles das Haus seines Bruders Phillip hüten, der mit seiner Familie für ein paar Wochen verreist. Für den Gelegenheitsschreiner eine günstige Gelegenheit, sich ausgiebig dem Nichtstun hinzugeben. Florence, 25, bei Phillip als Mädchen für alles angestellt und selbst noch nicht wissend, welchen Weg ihr Leben nehmen soll, findet das irgendwie cool. Zwischen den beiden entspinnt sich eine zarte Romanze, was Roger jedoch nicht recht behagt. Dessen Lieblingszeitvertreib ist im Übrigen das Schreiben von Beschwerdebriefen. Ansonsten trifft er sich gelegentlich mit seinem früheren Freund und Band-Kollegen Ivan, einem Computerspezialisten, der sich etwas schwer damit tut, ein Leben zu akzeptieren, das er so nie geplant hat. Trotzdem zeigt er am Aufwärmen alter Zeiten ebenso wenig Interesse wie Rogers Ex, die mit beiden Beinen fest im Leben steht.
Die Schauspieler: Überraschenderweise wird nicht zuerst die Titelfigur, sondern die von Greta Gerwig sehr einnehmend verkörperte Florence eingeführt. Für sie empfindet man sofort Sympathie. Bei Roger, der nach etwa fünf Minuten erstmals die Bühne betritt und den der hauptsächlich auf Komödienrollen spezialisierte Ben Stiller mit der nötigen Ernsthaftigkeit spielt, fällt das schwerer - zumal er aus tief empfundener, aber nicht wirklich eingestandener Unzufriedenheit über sein Leben andere Leute gern mal vor den Kopf stößt.
Der Regisseur und Autor: Noah Baumbach ("Der Tintenfisch und der Wal") ist eine feste Größe im amerikanischen Independent-Kino. Auch sein neues Werk hat trotz des Mitwirkens von Ben Stiller nichts Hollywoodeskes an sich. Konsequent verweigert es sich konventionellen Erzählmustern. Die sich zwischen Roger und Florence entwickelnde Beziehung mit ihren Aufs und Abs dient lediglich als roter Faden. Dem Regisseur ist mehr daran gelegen, ein Gefühl für die unbefriedigende Lebenssituation seines Protagonisten sowie dessen Befindlichkeiten zu vermitteln. Das gelingt ihm - auch dank des nuancierten Spiels seines Hauptdarstellers - bisweilen bravourös. Als etwa die jugendliche Stieftochter seines Bruders mit Freunden im Haus eine Party feiert, der sich Roger nicht entziehen kann, spürt man deutlich, wie unwohl er sich in seiner Haut fühlt, obwohl er das zu kaschieren versucht.
Fazit: Spaßmacher Stiller einmal anders. Und das ganz gut.
USA, 119 Min., o.A., Abaton