Die Story basiert auf dem Roman "Der Räuber" von Martin Prinz, welcher wiederum auf einem wahren Fall fußt, der 1988 die bis dahin größte Fahndung der österreichischen Nachkriegsgeschichte auslöste: In der Öffentlichkeit gilt er als Inbegriff einer erfolgreichen Resozialisierung. Im Knast hat er sich jeden Tag auf dem Laufband abgerackert, und nun bricht Johann Rettenberger - zurück in der Freiheit - beim Wiener City-Marathon mal eben den österreichischen Landesrekord. Doch was keiner weiß: Trotz seiner sportlichen Siege überfällt Rettenberger weiterhin Banken, einmal sogar drei an einem einzigen Tag ...
Die Schauspieler: Johann Rettenberger ist - abgesehen von seiner Sucht nach dem speziellen Kick - ein Mann fast ohne Eigenschaften. Seiner Freundin Erika (ganz stark: Franziska Weisz, "Hotel") sagt er einmal, dass sie wie die anderen seine Art zu leben gar nicht verstehen könne. Deshalb ist es umso erstaunlicher, mit welcher Intensität Andreas Lust ("Revanche") nach monatelangem, auszehrendem Marathontraining diesen Getriebenen verkörpert, ganz ohne dem Zuschauer ein Motiv für seine Taten an die Hand zu geben.
Der Regisseur: In den vergangenen zwei Jahrzehnten schien der Kriminalfilm in Deutschland ausschließlich dem Fernsehen vorbehalten. Doch nun erobern ausgerechnet die Regisseure der sogenannten Berliner Schule, die schon oft zu Unrecht als Schmiede spröder Dramen verschrien wurde, dieses Genre fürs Kino zurück: Neben Benjamin Heisenbergs ("Der Schläfer") im Wettbewerb präsentierten "Der Räuber" feierte auch Thomas Arslans Gangsterstreifen "Im Schatten" auf der Berlinale seine Premiere - bei beiden Filmen zeigt sich gleichermaßen, dass eine präzise Inszenierung und eine ausgefeilte Milieubeschreibung bereits mehr als die halbe Miete für einen begeisternden Leinwandkrimi ausmachen.
Fazit: Die spannendsten Kinogeschichten schreibt eben immer noch das Leben selbst.
A/D, 98 Min., ab 12 J., Abaton
Note: 1
BU: Da zahlt sich das Training aus: Rettenberger hat wieder eine Bank überfallen.
Hielt Österreichs Polizei lange in Atem: Johann Rettenberger (Andreas Lust)