Die Cops sind immer die Guten. Das ist ein Wunschdenken, das selbst Hollywood nie zu träumen gewagt hat. Korrupte Gesetzeshüter gibt es schließlich seit Leinwandgedenken. In diese Kerbe stieß 2001 auch Antoine Fuqua mit seinem oscargekrönten Cop-Thriller "Training Day", in dem der Regisseur seinen Star Denzel Washington zum Inbegriff des bösen Bullen machte.
Inzwischen denkt Fuqua aber offenbar ein wenig differenzierter über die Sache. In "Gesetz der Straße" versuchen seine drei Cop-Protagonisten nämlich zumindest, das Richtige zu tun, auch wenn sie dann grandios am verrotteten System scheitern.
Sie kennen sich nicht, aber sie alle arbeiten für die Brooklyner Polizei: Als Mitglied einer Spezialeinheit riskiert Sal (Ethan Hawke) jeden Tag sein Leben, um Drogenverstecke auszuheben. Das dabei beschlagnahmte Geld stecken sich die Stadtoberen in die Taschen, um damit teure Mahagonimöbel für ihre schicken Büros zu kaufen, während Sal nicht weiß, wie er mit seinem mickrigen Gehalt Frau und Kinder über die Runden bringen soll.
Tango (Don Cheadle) hat sich undercover in einen Drogenring einschleusen lassen. Seine Frau will die Scheidung, und er selbst denkt längst wie ein Gangster, weshalb er unbedingt in sein altes Leben zurück will. Doch seine Vorgesetzten lassen ihn zappeln, um noch die eine oder andere prestigeträchtige Verhaftung für sich verbuchen zu können.
Eddie (Richard Gere) hat es hingegen bald geschafft. Schlappe sieben Tage vor seiner Pensionierung tut der resignierte Cop alles, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Doch dann verlangen seine Bosse von ihm eine Falschaussage, um ihre eigenen Fehler zu vertuschen.
So was nennt man wohl Glück im Unglück: Nachdem Michael C. Martin die Filmschule geschmissen und einen Job als U-Bahn-Aufseher im berüchtigten East Brooklyn angenommen hatte, fand er erst Jahre später in Folge eines Autounfalls genügend Zeit, um das Drehbuch zu "Gesetz der Straße" zu verfassen. Der Mann weiß also, wovon er schreibt. Er kennt das Viertel und seine Bewohner wie seine Westentasche, weshalb der Film durch einmalige Authentizität besticht.
Dieser Realismus war auch für die Schauspieler ein gefundenes Fressen, die diese Steilvorlage nur noch verwandeln mussten: Während Ethan Hawke als Getriebener begeistert, der einzig und allein das Wohl seiner Familie im Kopf hat und alles andere konsequent ausblendet, brilliert Richard Gere als ermatteter Cop, aus dem seine 22 Dienstjahre alles Lebendige herausgesaugt haben.
Fazit: Ein atmosphärisch dichtes, intensiv gespieltes und zutiefst pessimistisches Meisterstück.