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Boxhagener Platz

Die Story: Während in Westdeutschland die Studenten rebellieren und in der Tschechoslowakei der "Prager Frühling" niedergeschlagen wird, ist der 12-jährige Holger oft mit seiner am Boxhagener Platz in Ostberlin wohnenden Oma Otti zusammen. Denn daheim herrscht meist dicke Luft. Seine vom Westen träumende Mutter Renate verachtet seinen Vater Klaus-Dieter, der ganz in seinem Polizeijob als Abschnittsbevollmächtigter aufgeht. Dafür bewundert sie die fidele Otti umso mehr. Die hat bereits fünf Ehemänner überlebt. Und während ihr sechster, Rudi, siech darniederliegt, erhält sie bereits Avancen von zwei neuen Verehrern: dem Altnazi Winkler und dem systemkritischen Ex-Spartakuskämpfer Karl, für den ihr Herz bald schlägt. Als Winkler in seinem Fischladen erschlagen aufgefunden wird, fällt Ottis Verdacht auf den eifersüchtigen Rudi, der allerdings kurz darauf seinerseits das Zeitliche segnet. Aber steckt Rudi wirklich dahinter? Jedenfalls gehen die Ermittlungen auch nach seinem Tod weiter und halten den Kiez in Unruhe.



Die Schauspieler: An der Spitze eines hervorragend besetzten und ebenso agierenden Ensembles, zu dem etwa Michael Gwisdek (Karl), Jürgen Vogel (Hans-Dieter) und Meret Becker (Renate) zählen, brilliert Gudrun Ritter als lebenspraktische, herb-herzliche Oma Otti. In der Rolle des in sich gekehrten Holger, der mental einiges zu verarbeiten hat, feiert Samuel Schneider ein vielversprechendes Kinodebüt.



Der Regisseur: Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Torsten Schulz, der konsequenterweise auch das Drehbuch schrieb. Das hat der hauptsächlich fürs TV arbeitende Matti Geschonnek, einst selbst am Boxhagener Platz aufgewachsen, mit viel Liebe zu seinen Figuren umgesetzt. Sein Werk ist weniger ein Krimi als vielmehr eine atmosphärisch dichte, melancholische Milieustudie, in der Tragik ebenso Platz findet wie wunderbarer lakonischer Humor. Dabei verstehen es die Darsteller, das Lebensgefühl ihrer Charaktere trefflich zu vermitteln. Zudem zeigt Geschonnek in seiner jede Menge Zeitkolorit verströmenden Literaturadaption viele Facetten des damaligen DDR-Alltags. Und das ohne der Versuchung zu erliegen, in ostalgische Gefilde abzudriften.



Fazit: Sehr stimmungsvolle Romanverfilmung.



D, 103 Min., ab 6 J., Abaton, Zeise



Note: 2



BU: Verstehen sich blendend: Oma Otti (Gudrun Ritter) und Holger (Samuel Schneider)



Abschnittsbevollmächtigter Klaus-Dieter (Jürgen Vogel)

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Datum:  4.3.2010
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