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Blind Side - Die große Chance

Blind Side

Es gibt wohl kaum jemanden, der Sandra Bullock nicht mag. Auch deshalb haben die Oscar-Wähler in diesem Jahr gleich die erste Gelegenheit beim Schopfe gepackt und die sympathische Aktrice mit einem Goldjungen ausgezeichnet - selbst wenn Meryl Streep als leicht verpeilte Fernsehköchin in der Komödie "Julia + Julia" noch einen Tick besser war. Das soll aber keinesfalls heißen, dass die Tochter einer deutschen Opernsängerin den Sieg zu Unrecht errungen hätte. Ganz im Gegenteil: Schließlich gelingt es ihr als resoluter Südstaaten-Mama in "Blind Side" quasi im Alleingang, potenziellen Mega-Kitsch in ein Stück richtig gutes Kino zu verwandeln.



Sandra Bullock spielt Leigh Anne Tuohy, die mit ihren zwei Kindern und ihrem wohlhabenden Mann in Tennessee lebt. Auf dem Heimweg von einer Schulaufführung bemerkt sie eines regnerischen Abends am Straßenrand den obdachlosen Michael Oher, einen stämmig gebauten, nicht ganz so hellen, aber dafür herzensguten schwarzen Teenager, der dieselbe Highschool wie ihr Sohn besucht. Kurzentschlossen verfrachtet Leigh Anne den durchnässten Riesen in ihr Auto und behandelt ihn fortan wie ein vollwertiges Familienmitglied. Die Tuohys geben ihm ein eigenes Zimmer und besorgen ihm eine Nachhilfelehrerin, damit sich der für sein Gewicht extrem flinke Michael den Traum vom Footballstipendium und damit von einer Collegeausbildung erfüllen kann ...



Man kennt diese Filme. Längst aufs soziale Abstellgleis abgeschoben, kämpft sich der Held mithilfe des Sports und gegen alle Widerstände nach oben. Doch "Blind Side" ist anders. Hier gibt es - abgesehen von einem minimalen Rückschlag fünf Minuten vor Schluss - keine schwer löslichen Probleme. Von dem Moment an, in dem Michael im Haus der Tuohys untergekommen ist, läuft vielmehr alles wie geschmiert. Konflikte? Fehlanzeige! Regisseur John Lee Hancock liefert Wohlfühlkino ohne lästige Stimmungsdämpfer.



Dass diese Friede-Freude-Eierkuchen-Dramaturgie voll aufgeht und nicht in einem Banalitäten-Feuerwerk endet, hat zwei Gründe. Zum einen ist die Geschichte wahr, der echte Michael Oher wurde im vergangenen Jahr von den Baltimore Ravens verpflichtet und unterschrieb dort einen mit 13,8 Millionen Dollar dotierten Fünfjahresvertrag. Nun lässt sich der Realität schwerlich vorwerfen, dass sie nicht ausgeklügelt genug sei.



Zum anderen ist da Sandra Bullock. Leigh Anne mag immer das Richtige tun, dennoch trotzt die Schauspielerin ihrer Rolle eine Vielschichtigkeit ab, die für dieses Genre alles andere als selbstverständlich ist: Immerhin bietet sie nicht nur guten schwarzen Kids uneigennützig eine vielversprechende Zukunft, sie hat ebenso wenig ein Problem damit, böse schwarze Kids mit ihrer Mitgliedschaft in der erzkonservativen Waffennarrenvereinigung NRA und dem immer griffbereiten Revolver in ihrem Handtäschchen in ihre Schranken zu weisen.





Fazit: Man muss von Football-Regeln keinen blassen Schimmer haben, um sich in diesem Film pudelwohl zu fühlen.



USA, 128 Minuten, ab 6 Jahren, Cinemaxx (alle), Koralle, Streits (OF), UCI (alle)

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Datum:  25.3.2010
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