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KINO - INTERVIEW MIT ULRICH THOMSEN

"Langweilige Rollen lehne ich grundsätzlich ab"

plan7: Wie kommen Sie als dänischer Filmstar dazu, im ersten Kinofilm eines Schweizer Jungregisseurs die Rolle eines pädophilen Mörders zu übernehmen?



Ulrich Thomsen: Ich war nicht die erste Wahl. Soweit ich weiß, hat Regisseur Baran Bo Odar die Rolle erst verschiedenen deutschen Schauspielern angeboten, doch die lehnten alle ab. Keine Ahnung, warum er dann ausgerechnet mich gefragt hat. Sollte ich mich geschmeichelt fühlen? Oder sollte mir das eher zu denken geben?



plan7: Was hat Sie bewogen, diese heikle Rolle anzunehmen?



Thomsen: Mir hat das Drehbuch sehr gut gefallen. Ich mag Filme, die nicht bloß Unterhaltung bieten, sondern für Gesprächsstoff sorgen. In diesem Fall hat mich besonders die schier unmögliche Herausforderung gereizt, meiner Filmfigur, die auf den ersten Blick wie ein Monster wirkt, menschliche Züge zu verleihen.



plan7: Wie nähert man sich einer solchen Figur? Haben Sie mit Psychologen gesprochen?



Thomsen: Nein, ich betreibe grundsätzlich keine Recherche für meine Rollen. Stattdessen verlasse ich mich lieber auf meine Vorstellungskraft und auf die Gespräche mit dem Regisseur. Ich habe versucht, in dieser Figur nicht den Pädophilen zu sehen, sondern einen einsamen Hausmeister, der den Rasen mäht, durch die Gegend radelt, auf Parkbänken sitzt und Kinder beobachtet.



plan7: Aber er tut ja durchaus noch etwas anderes: Gleich zu Beginn des Films vergewaltigt und erschlägt er ein Mädchen.



Thomsen: Stimmt. Trotzdem muss man sich als Schauspieler bemühen, so jemanden wie ein ganz normales Wesen zu behandeln. Außerdem geht es in diesem Film gar nicht primär um Pädophilie, sondern um Einsamkeit: Sämtliche Figuren sind auf gewisse Weise einsam.



plan7: Gibt es Rollen, die Sie prinzipiell ablehnen würden?



Thomsen: Ja: langweilige Rollen! Und ich reiße mich nicht um exzessive Nacktszenen - das finde ich einfach uninteressant. Aber ansonsten bin ich ziemlich offen für alles.



plan7: Haben Sie bewusst eine internationale Karriere angestrebt?



Thomsen: Nein, das hat sich einfach durch den Erfolg von „Das Fest“ ergeben. Ich liebe meinen Beruf, doch in Dänemark werden pro Jahr nur rund 25 Filme gedreht - die Hälfte davon sind Kinderfilme, und die meisten übrigen sind einfach schlecht. Insofern freue ich mich sehr über die Angebote aus anderen Ländern!

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Datum:  19.8.2010
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