Eine endlos lange Minute sollen Tim (12) und Christian (11) an einem Kleiderhaken im Umkleideraum der Wellingsbütteler Peter-Petersen-Schule gehangen haben (MOPO berichtete). Das breite Band, an dem sie baumelten, spannte schmerzhaft unter ihren Achseln, die Zehenspitzen der Schüler berührten gerade eben den Boden. In 14 Tagen steht die Frau vor Gericht, die für diese Quälerei verantwortlich sein soll - die 55-jährige Sportlehrerin Helga Z.
Freiheitsberaubung und Körperverletzung im Amt - so lautet der Vorwurf des Staatsanwalts. Die Höchststrafe dafür: fünf Jahre Haft. Als die MOPO mit Frau Z. sprach, ging sie noch fest davon aus, dass das Verfahren gegen sie eingestellt wird. Jetzt muss sich die Pädagogin am 19. September vor dem Amtsgericht Barmbek verantworten.
Der Vorfall, um den es geht, liegt ein Jahr zurück: Die Klasse 6b der Peter-Petersen-Schule in der Straße Am Pfeilshof hat Sport. Tim und Christian albern herum, fesseln sich gegenseitig mit sogenannten "Parteienbändern". Das sind mehrere Zentimeter breite Textilbänder, die beim Sport Mannschaften kennzeichnen. Darüber soll die Lehrerin wütend geworden sein und die beiden "Rotzlöffel" in die Umkleide geschubst haben. Dann soll die sportliche Lehrerin die Schüler an den Kleiderhaken gehängt haben.
Der Vorfall machte die Runde - erst an der Schule, dann im Stadtteil. Doch erst im Frühjahr dieses Jahres erstatteten die Väter der betroffenen Jungs Anzeige. Nachdem das Dezernat Interne Ermittlungen (DIE), das für alle Amtsdelikte zuständig ist, eingeschaltet wurde, kam es zur Suspendierung der Lehrerin. Helga Z. ist mehr als 25 Jahre im Schuldienst, hat einen untadeligen Ruf. Der Vorwurf von "Mobbing" durch einzelne Eltern der Klasse 6b machte die Runde.
Leiterin der Schule ist die Ex-Schulsenatorin Ute Pape (SPD). Zu den Vorwürfen gegen ihr Kollegiumsmitglied sagte sie: "Das ist eine schwere Belastung für unsere Schule".
Helga Z. selbst erklärte gegenüber der MOPO, sie sei Opfer einer "ekelhaften Mobbing-Affäre". Ob dem so ist oder ob die Lehrerin eine Tat begangen hat, die es so in Hamburg noch nie gegeben hat, muss jetzt der Barmbeker Amtsrichter klären.